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Risiken gibt es weiter
Über den Wolken ist es so sicher wie noch nie

Der Boom der zivilen Luftfahrt ist ungebrochen: Jährlich gibt es schätzungsweise mehr als 3,7 Milliarden Flugpassagiere.
Der Boom der zivilen Luftfahrt ist ungebrochen: Jährlich gibt es schätzungsweise mehr als 3,7 Milliarden Flugpassagiere. FOTO: Frank Rumpenhorst / dpa
Hannover. Die Zahl der Flugzeugunglücke mit Todesfällen ist 2017 auf den niedrigsten Stand gesunken. Risiken gibt es dennoch auch künftig — etwa durch Drohnen.

Unfallforscher bejubeln 2017 als sicherstes Jahr in der Geschichte der gewerblichen zivilen Luftfahrt. Obwohl sich das Passagieraufkommen vervielfacht hat, ist die Zahl der Todesfälle auf einen Tiefstand gesunken. In Europa blieben schwerere Flugzeugunglücke mit Todesfällen sogar völlig aus – Unglücke mit Militärmaschinen oder kleineren Flugzeugen mit unter 14 Passagiersitzen blieben in der Statistik allerdings unbetrachtet. Dabei ist der Boom in der zivilen Weltluftfahrt ungebrochen. Jährlich gibt es nach Angaben des Aviation Safety Network weltweit schätzungsweise mehr als 3,7 Milliarden Flugpassagiere. Die UN-Luftfahrtorganisation ICAO geht inzwischen sogar von mehr als vier Milliarden Passagieren aus. Und für 2025 wird bereits die Neun-Milliarden-Marke angepeilt.

„Die statistische Wahrscheinlichkeit, durch einen Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, lag im Durchschnitt der 1970er Jahre bei eins zu 264 000, im vergangenen Jahr bei rund eins zu 127,5 Millionen“, hat der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mit Blick auf 2017 errechnet. Der Verband kommt zu dem Schluss: „Fliegen war 2017 also etwa 482 Mal sicherer als in den 1970ern.“

Die Unfallforscher des Aviation Safety Network registrierten bis Silvester weltweit neun Flugzeugunglücke mit insgesamt 67 Toten, so wenig wie nie zuvor. 32 der Opfer waren demnach an Bord der Maschinen, weitere 35 wurden am Boden in den Tod gerissen. Wie das niederländische Privatbüro gestern mitteilte, gab es 2017 überhaupt keine tödlichen Unglücke mit großen kommerziellen Passagiermaschinen.



Allerdings spiegeln Zahlen der aufgelisteten Unfälle nicht unbedingt das Sicherheitsniveau der Branche wider. Denn es gab auch 2017 immer wieder gefährliche Zwischenfälle, die nur durch viel Glück nicht in der Katastrophe endeten. Zudem kommen neue Bedrohungen hinzu – etwa durch die Cyber-Kriminalität, die auch die Luftfahrt ins Visier nimmt. Die in der Schweiz ansässige und auf Luftfahrt-IT- und -Kommunikation spezialisierte SITA (Société Internationale de Télécommunication Aéronautique) warnt eindringlich vor diesen Risiken. Gemeinsam mit dem Flugzeughersteller Airbus hat sie gerade ein neues Geschäftsfeld erschlossen, das Airlines oder Flughäfen relevante Informationen über ungewöhnliche Cyber-Aktivitäten liefert, die ihre Geschäftsprozesse beeinträchtigen könnten. Nach einer von ihr durchgeführten Umfrage wollen 95 Prozent der Fluggesellschaften und 96 Prozent der Flughäfen in den nächsten drei Jahren in Cybersicherheitsprogramme investieren.

„Gerade im Bereich Security, also bei der Abwehr gezielter äußerer Gefahren, steigen die Anforderungen immer weiter an“, meint auch BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Um das hohe Maß an Sicherheit in der Luftfahrt auch in Zukunft zu gewährleisten, fordert er eine intensivere Zusammenarbeit der zuständigen Behörden mit den Luftverkehrsunternehmen. Das gilt auch für das unbemannte Fliegen. Denn Drohen in allen Preis- und Leistungsklassen erobern zunehmend den Luftraum und müssen in ihn integriert werden.

Auch wenn die Bundesregierung im Frühjahr 2017 eine erste Drohnenverordnung vorgelegt hat, sieht die Branche das nur als ersten wichtigen Schritt. Denn die Deutsche Flugsicherung schätzt, dass 2017 rund 600 000 neue unbemannte Fluggeräte den Himmel über Deutschland bevölkerten – für 2018 geht sie von einem Überschreiten der Millionengrenze aus.

Auf Sicherheitsprobleme ganz anderer Art wies noch im September die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hin. „An den Flughäfen haben wir ein Zuständigkeitswirrwarr verschiedenster Akteure von staatlichen Stellen und Privatfirmen“, hatte der GdP-Luftsicherheitsexperte Arnd Krummen erklärt. Er forderte die Politik dazu auf, ein einheitliches Sicherheitskonzept aus einer Hand umzusetzen.