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Trump teilt gegen Europa aus

Washington/Berlin. Scharfkantig umreißt Donald Trump Ziele seiner Politik. Kein Mitleid für die EU, die Nato „obsolet“, Strafzölle für deutsche Autobauer und scharfe Kritik an der Bundeskanzlerin. Die Reaktionen kommen prompt. Agentur

Der Rundumschlag Donald Trumps zu seinen Plänen als US-Präsident wird bei aller Besorgnis auch mit betonter Gelassenheit aufgenommen. Wenige Tage vor seiner Amtseinführung hatte sich Trump im "Bild"-Interview sehr kritisch zu Deutschland, zur EU, zur Nato und auch zur Autoindustrie geäußert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ) forderte die EU-Staaten auf, sich von der harschen Kritik nicht beirren zu lassen. "Ich denke, wir Europäer haben unser Schicksal selbst in der Hand", sagte sie gestern in Berlin. Zu Trumps Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik sagte sie, der Kampf gegen den Terrorismus sei eine große Herausforderung für alle: "Ich würde das von der Frage der Flüchtlinge noch einmal deutlich trennen." Trump hatte gesagt: "Im Grunde genommen ist die Europäische Union ein Mittel zum Zweck für Deutschland." Merkels Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, bezeichnete er als "katastrophalen Fehler" - auch mit Blick auf das Terrorrisiko.

Der EU sagte Trump nach dem Brexit ohne Bedauern weitere Austritte voraus. Der Zustand der EU sei ihm aber nicht sehr wichtig. Die Einigkeit der EU sei ihm "ziemlich egal". Er sehe den Binnenmarkt als Instrument der Europäer, die USA im Handel zu schlagen. Die EU-Kommission erklärte dazu nur: "Wir haben das Interview mit Interesse gelesen."



Die Nato nannte Trump im jetzigen Zustand "obsolet", also überflüssig. Generalsekretär Jens Stoltenberg sei "absolut zuversichtlich", dass die kommende US-Regierung zur Nato stehen werde, sagte eine Sprecherin in Brüssel. Stoltenberg und Trump hätten bereits darüber diskutiert, wie sich das Bündnis weiter ans veränderte Sicherheitsumfeld und die durch Terrorismus entstandenen Gefahren anpassen müsse.

Deutschen Autobauern kündigte Trump hohe Strafzölle an: "Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen." Dem Hersteller BMW , der 2019 eine Fabrik in Mexiko eröffnen will, legte Trump nahe, die Fabrik in den USA zu bauen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD ) sagte auf "bild.de": "Ich kann nur raten, aufgrund solcher Positionen nicht hektisch zu werden, sondern abzuwarten, was passiert." Zu möglichen Strafzöllen sagte Gabriel: "Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer." > Seite 2: Berichte, Seite 4: Meinung