| 00:27 Uhr

5. Pflege-Qualitätsberichts vorgelegt
Trotz Verbesserungen bleiben Pflege-Mängel

Gernot Kiefer, 
Vorstands­vorsitzender des GKV-Spitzen­verbandes.
Gernot Kiefer, Vorstands­vorsitzender des GKV-Spitzen­verbandes. FOTO: Soeren Stache / dpa
Berlin. Laut dem aktuellen Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes rechnet ein Drittel der Pflegedienste in Deutschland ihre Leistungen unkorrekt ab.

Die Pflege in Deutschland ist besser geworden, aber es gibt weiterhin Mängel. Das ist das Ergebnis des 5. Pflege-Qualitätsberichts des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS), der gestern in Berlin vorgestellt wurde. Bemängelt werden darin bei der stationären Pflege in Heimen besonders die Schmerzbehandlung und die unzureichende Wundversorgung. Bei der ambulanten Pflege stießen die Prüfer auf einige Defizite bei der Intensivpflege und bei der Beratung von Pflegebedürftigen.

Leichte Verbesserungen gebe es dagegen bei der Dekubitusprophylaxe – also bei Maßnahmen, die das Wundliegen von Pflegebedürftigen verhindern –, bei der Prophylaxe gegen Stürze und bei freiheitsentziehenden Maßnahmen, hieß es. Erstmals wurden zudem Ergebnisse aus den Abrechnungsprüfungen in der ambulanten Pflege veröffentlicht.

Grundlage des Berichts sind Daten aus über 26 000 Qualitätsprüfungen, die im Jahr 2016 in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten durch den MDK stattgefunden haben. Die MDK-Prüferinnen und Prüfer untersuchten dabei die Versorgungsqualität bei 175 000 pflegebedürftigen Menschen.



Auch wenn noch einiges zu tun sei, entwickele sich die Pflegequalität insgesamt in die richtige Richtung, sagte der Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Gernot Kiefer. Allerdings müssten sich die Bedingungen für die Pflegekräfte verbessern, damit sich mehr Menschen dauerhaft für diesen Beruf entscheiden. Zudem sei mehr Transparenz in die Pflegebranche nötig. Die 2009 eingeführten Pflegenoten lieferten nur ein „unscharfes Bild“ und böten den Pflegediensten und Pflegeheimen immer noch die Möglichkeit, schlechte Qualität zu verstecken. „Derzeit arbeitet die Wissenschaft an einem neuen System – und wir erwarten, dass wir Ende dieses Jahres mit der Umsetzung beginnen können“, sagte Kiefer.

Verschlechterungen in der stationären Pflege gab es unter anderem bei den Gewichtskontrollen, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Bei jedem vierten Heimbewohner sei demanch das Gewicht nicht kontrolliert (24,9 Prozent) worden, obwohl die Gefahr für einen erheblichen Gewichtsverlust bestand. Auch bei der Wundversorgung nach dem aktuellen Wissenstand fielen die Ergebnisse mit 75,6 Prozent schlechter aus als drei Jahre zuvor (79 Prozent), hieß es weiter.

Mehr als ein Drittel der Pflegedienste rechnet ihre Leistungen nicht korrekt ab. Bei 35,2 Prozent der geprüften Pflegedienste stellten die MDK-Prüfer mindestens eine Auffälligkeit fest, wie MDS-Pflegeexperte Jürgen Brüggemann sagte. Knapp sieben Prozent der Pflegedienste zeigten mit sechs und mehr Ungereimtheiten gehäufte Auffälligkeiten. „Zugleich wiesen 64,8 Prozent der Pflegedienste keine Auffälligkeiten auf“, sagte Brüggemann.

(epd)