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Kommentar
Ungewollte Symbolik

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Warum in den USA ein Senator und ehemaliger Präsidentschafts-Kandidat mit der enormen öffentlichen Beachtung, den Live-Übertragungen und dem Zeremoniell beigesetzt wird, die sonst nur einem Staatsoberhaupt zuteil werden, ist aus europäischer Sicht vielleicht nur schwer verständlich. Von Friedemann Diederichs

Drei frühere Präsidenten und ihre First Ladies saßen in der ersten Reihe der National-Kathedrale in Washington, als John McCain die letzten Ehren erwiesen wurden. Die Symbolik bei dem Gottesdienst war ungewollt, aber so zeitgemäß wie selten: Das zerstrittene Land, unfähig zur Heilung durch den abwesenden – weil bewusst nicht eingeladenen – Donald Trump, setzte in diesem Augenblick ein Zeichen der doch zu erreichenden Überparteilichkeit und für essenzielle Werte wie Respekt und Fairness im Umgang miteinander.

Gerade die Reden von George W. Bush und Barack Obama zeigten, welches enorme Vakuum im Weißen Haus herrscht. Sie ehrten den verstorbenen politischen Widersacher – McCain kandidierte ja gegen beide für die Präsidentschaft – mit angemessenen Worten. Und sie erinnerten gleichzeitig an das oft so gern vergessene Prinzip, dass der Beruf eines Politikers in erster Linie bedeuten sollte, dem Land zu dienen. Donald Trump hätte solche Reden allein von seinem Intelligenzquotienten und seiner Glaubwürdigkeit her nie überzeugend halten können. Mit den Tugenden McCains, der sich stets auch als politischer Brückenbauer verstand, hat er überhaupt nichts gemeinsam. Dies war die Kernbotschaft, die von der Trauerfeier ausging.