| 22:37 Uhr

Gegen den Trumpismus
Eine Trauerfeier wird zur Rebellion gegen den Nationalismus

Ex-US-Präsident Barack Obama rechnet bei der Trauerfeier für den verstorbenen Senator John McCain mit dem Trumpismus ab.
Ex-US-Präsident Barack Obama rechnet bei der Trauerfeier für den verstorbenen Senator John McCain mit dem Trumpismus ab. FOTO: dpa / Pablo Martinez Monsivais
Washington. Die politische Elite versammelt sich in Washington, um US-Senator McCain zu verabschieden – eine Gegenveranstaltung zu Trumps Amerika. Von Frank Herrmann

Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, das sich John McCain für sein Grab ausgesucht hatte. Ein Freund, ein Admiral namens Charles Larson, hat die Stelle beizeiten für ihn reservieren lassen. Es ist eine Zeremonie im kleinen Kreis, ein markanter Kontrast zu den öffentlichen, sehr politischen Feiern in Washington, die den Abschied von dem streitlustigen Senator zu einer Demonstration werden ließen. Zu einer Rebellion gegen nationalistische Nabelschau. McCain wollte es so, nach seinem Willen sollten die Trauertage in der Hauptstadt ein Sich-Auflehnen signalisieren – gegen das „America first“ Donald Trumps, in dem er einen Weg in die Sackgasse sah.

Donald Trump muss am Fernseher im Weißen Haus zuschauen, wie sich am Samstag viel Prominenz unter den rund 3000 geladenen Gästen in der Nationalkathedrale versammelt, um einen seiner schärfsten Kritiker zu würdigen. Selber nicht eingeladen, lässt er sich durch seine Tochter Ivanka und den Schwiegersohn Jared Kushner vertreten. Und ohne Trump auch nur ein einziges Mal beim Namen zu nennen, rechnet Obama mit dem Trumpismus ab: „So vieles in unserer Politik, in unserem öffentlichen Leben, in unserem öffentlichen Diskurs kann gemein und kleinlich erscheinen, ins Bombastische und Beleidigende ausufernd, in vorgetäuschte Kontroversen und künstliche Empörung.“ So etwas spiele Tapferkeit vor, in Wahrheit sei es aus der Angst geboren. „John hat an uns appelliert, größer zu sein, besser zu sein.“ Gerade in der Außenpolitik habe er oft nicht mit ihm übereingestimmt, sagt der Ex-Präsident über den Republikaner, der Interventionen wie der im Irak das Wort redete und die USA in der Pflicht sah, Freiheit und Demokratie zu verbreiten. Dennoch, McCain habe verstanden, dass Amerikas Einfluss in der Welt nicht allein auf militärischer Macht beruhe, nicht allein auf Wohlstand, nicht allein auf der Fähigkeit, anderen seinen Willen aufzuzwingen. Sondern auf der Fähigkeit gründe, andere zu inspirieren und selber an Werten festzuhalten, die für alle gelten sollten.

Bush, der McCain im Jahr 2000 im innerparteilichen Duell um die Präsidentschaftskandidatur besiegte, spricht von der Würde, die jedem Menschenleben innewohne und die sein einstiger Kontrahent aus innerster Überzeugung respektiert habe. „Eine Würde, die nicht an Grenzen haltmacht und nicht von Diktatoren ausgelöscht werden kann.“



Doch es ist Meghan McCain, die 33 Jahre alte Tochter des Verstorbenen, die unter Tränen am eindringlichsten Klartext redet. „Wir sind zusammengekommen, um den Verlust amerikanischer Größe zu betrauern“, beginnt sie. Das Amerika John McCains sei großzügig, es habe offene Türen, es sei kühn, fügt sie hinzu. Es spreche mit leiser Stimme, weil es stark sei. Amerika prahle nicht, weil es Angeberei nicht nötig habe. Dann spielt sie auf das „Make America Great Again“ an, Trumps auf Millionen roter Baseballkappen verewigten Slogan. „Das Amerika John McCains muss nicht wieder groß gemacht werden, denn groß war es schon immer.“