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Thomas Fischer
„Was der Handel bisher gegen Plastik getan hat, reicht nicht“

 Thomas Fischer ist der Müllexperte der  Deutschen  Umwelthilfe.
Thomas Fischer ist der Müllexperte der Deutschen Umwelthilfe. FOTO: Umwelthilfe
Berlin. Der Müll-Experte der Deutschen Umwelthilfe fordert mehr Verbindlichkeit und Druck beim Thema Abfallvermeidung. Von Hagen Strauss

Die Deutsche Umwelthilfe plädiert für klare Zielvorgaben zur Reduzierung von Plastik in Supermärkten. Selbstverpflichtungen, wie von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und dem Handel geplant, reichten nicht aus, sagt der Müll-Experte der Umwelthilfe, Thomas Fischer, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Fischer, warum werden Gurken in Plastik verpackt?

FISCHER Lange hat der Handel damit argumentiert, dass man konventionelle Ware von Bio-Ware unterscheidbar machen müsse. Das geht natürlich auch anders, etwa mit Aufklebern. Dann kam immer der Hinweis, Kunden könnten einfach umkleben. Kein Supermarkt hat aber schlechte Erfahrungen mit den Alternativen zum Plastik gemacht.



Das heißt, auf viele Umverpackungen kann verzichtet werden?

FISCHER Ja. 63 Prozent des Obstes und Gemüses werden vorverpackt. Das ist völlig kontraproduktiv, weil dies zu mehr Lebensmittelabfällen führt. Wenn man Bananen nur noch im Folienset bekommt, Äpfel nur noch in Vierer- oder Sechserpacks, dann führt das dazu, dass viele Leute nicht mehr bedarfsorientiert einkaufen können. Und dementsprechend erhöht sich die Verschwendung.

Dem Handel dürfte es allerdings auch ums Geschäft gehen.

FISCHER Das stimmt. Durch Vorportionierung werden mehr Lebensmittel verkauft, und das ist für den Handel in der Tat ein besseres Geschäft. Aber das ist nur ein Grund: Vorverpackte Lebensmittel vereinfachen die Vorgänge an der Kasse. Man kann mehr Kunden in kürzerer Zeit bedienen.

Nun sagen viele Ketten, man habe schon viel verbessert. Ein Stichwort ist dabei der Verzicht auf Plastiktüten. Das werden auch Sie anerkennen, oder?

FISCHER Der Handel hat feine Antennen. Er hat schon mitbekommen, dass Plastik und unnötige Verpackungsartikel mehr und mehr von den Kunden hinterfragt werden. Was der Handel bisher gegen Plastik getan hat, reicht jedoch nicht aus. Das Müllproblem in der Breite wird damit nicht gelöst.

Was schlagen Sie vor?

FISCHER Das Plastikmüllproblem verursacht haben die Händler. Und in der Regel schaffen es die Verursacher aus eigener Kraft nicht, die Probleme wieder zu beseitigen. Deshalb greifen freiwillige Selbstverpflichtungen, wie von Ministerin Schulze geplant, zu kurz. Wir brauchen Verbindlichkeit und Druck beim Thema Abfallvermeidung. So, wie in Österreich. Deshalb plädieren wir für ein konkretes Ziel und gesetzliche Vorgaben: Die Menge an Plastikmüll muss bis 2030 halbiert werden.

Was raten Sie dem Verbraucher?

FISCHER Der Verbraucher kann vieles tun. Er sollte Obst und Gemüse unverpackt kaufen. Er muss seinen Blick schärfen, wenn es um unnötige Umverpackungen geht. Bestes Beispiel dafür ist Zahnpasta. Viele Tuben werden in einer sinnlosen Pappschachtel verkauft. Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker von kleinen Einzelverpackungen in einer Großverpackung – wie bei den Gummibärchentüten. Darauf sollte jeder Verbraucher schlichtweg verzichten.