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Straße von Hormus
Ein britischer Tanker, ein Dementi aus Teheran und viele Fragen

London/Washington/Teheran. Im Kräftemessen zwischen Iran und USA ist die Straße von Hormus zu einem wichtigen Schauplatz geworden. Nun gab es einen weiteren Zwischenfall. Von Maren Hennemuth, Farshid Motahari und Christoph Meyer

Wieder gibt es einen Zwischenfall mit einem Öltanker im Persischen Golf. Wieder gibt es Schuldzuweisungen an den Iran. Und wieder wächst die Sorge, dass der Konflikt zwischen der iranischen Führung und dem US-Präsidenten sich so zuspitzen könnte, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt.

Was ist passiert? Die britische Regierung berichtet am Donnerstag, dass sich drei iranische Boote in der Straße von Hormus dem Öltanker „British Heritage“ genähert hätten. Sie hätten „entgegen internationalem Recht“ versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Die Boote drehen erst ab, als sich die Fregatte „HMS Montrose“ der Royal Navy zwischen ihnen und der „British Heritage“ positioniert. Teheran bestreitet jedoch, an einem Vorfall mit einem britischen Schiff beteiligt gewesen zu sein.

Es ist nicht die einzige Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern: Sie streiten derzeit über einen iranischen Supertanker, der in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien festgesetzt worden war. Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien deswegen mit Konsequenzen gedroht. Der Stopp des Tankers sei dumm gewesen und ein Fehler, sagte er am Mittwoch. „Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen.“



Nach dem neuerlichen Vorfall mit dem britischen Tanker richten sich alle Augen einmal mehr auf US-Präsident Donald Trump. Der Sender CNN berichtet am Donnerstagmorgen, ein US-Militärflugzeug habe den Zwischenfall aus der Luft beobachtet und ein Video davon gemacht. Es gibt offensichtlich Kreise in der US-Regierung, die ein Interesse daran haben, dass dies und der Zwischenfall an sich bekannt wird.

Regierungsvertreter halten sich in ihren Äußerungen aber zunächst zurück. Man kenne die Berichte, wonach iranische Boote versucht hätten, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen, teilt das Außenministerium mit. Die USA würden weiterhin mit Verbündeten zusammenarbeiten, „um die korrupten und bösartigen Aktivitäten des iranischen Regimes zu bekämpfen und den globalen Handel zu schützen“.

Trump hat zuletzt immer wieder scharfe Warnungen an Teheran gerichtet. Erst am Mittwoch drohte er der Führung in Teheran mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen und warf ihr vor, sie reichere seit langem heimlich Uran an. Belege dafür nannte er nicht.

Das Atomabkommen von 2015 hatten die USA bereits im vergangenen Jahr aufgekündigt. Es sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Washington setzte scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft.

Die Straße von Hormus im Persischen Golf spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im September vergangenen Jahres drohte der iranische Präsident Ruhani sogar mit einer Blockade. „Falls eines Tages die USA wirklich den iranischen Ölexport blockieren sollten, dann wird überhaupt kein Öl mehr am Persischen Golf exportiert“, sagte Ruhani damals.

Mit Manövern der Armee und der Revolutionsgarden (IRGC) in der Straße von Hormus unterstrich Teheran seine Entschlossenheit. Seitdem lösten mehrere Zwischenfälle große Besorgnis aus. Von angeblichen Sabotageversuchen gegen vier kommerzielle Handelsschiffe vor der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate bis zum Abschuss einer US-Drohne. Die USA sehen Teheran dahinter. Der Iran hat jedoch nur den Abschuss der Drohne eingeräumt.