| 20:14 Uhr

Interview Uwe Jun
„AKK braucht Söder auf dem Weg ins Kanzleramt“

Berlin. Der jüngste Wechsel an der Spitze von CDU und CSU tut nach Ansicht des Trierer Politologen den Parteien gut. Zudem könne keiner ohne den anderen Erfolg haben. Von Hagen Strauss

Mit Markus Söder und Annegret Kramp-Karrenbauer geben nun zwei Neue den Ton an. Ist das gut oder schlecht für die Union?

JUN Das ist gut. Beide können die Geschichten der Vergangenheit hinter sich lassen. Beide passen besser zusammen als Seehofer und Merkel, nicht nur, weil sie von der Länderebene kommen. Sie sind auch in sozio-kulturellen Fragen enger beieinander. Kramp-Karrenbauer ist im Denken viel näher an der CSU als es Frau Merkel jemals gewesen ist.

Beide machen bereits auf große Harmonie. Wie lange wird der Schulterschluss halten?



JUN Ich glaube, dass Söder und Kramp-Karrenbauer anders als Seehofer begriffen haben, dass die Auseinandersetzungen der Vergangenheit den Unionsparteien nur geschadet haben. Weil 2018 keiner daraus einen Vorteil gezogen hat, rückt man nun wieder zusammen. Das schließt nicht aus, dass es bei einer inhaltlichen Differenz mal wieder kracht. Aber die neuen Vorsitzenden werden versuchen, den Krach dann deutlich kleiner zu halten.

Werden beide sich stärker von der Kanzlerin abgrenzen?

JUN Auf jeden Fall werden beide die innere Erneuerung ihrer Parteien vorantreiben. Natürlich müssen sich sowohl Kramp-Karrenbauer als auch Söder profilieren. Dabei müssen sie aber aufpassen, dadurch die Regierungsarbeit in Berlin nicht zu beschädigen. Denn es darf bei der Europawahl im Mai auf keinen Fall für die Union weiter abwärts gehen. Alles andere würde große innere Unruhe hervorrufen.

Braucht AKK Söder mehr?

JUN Das glaube ich nicht. Selbstverständlich braucht sie Söders Unterstützung auf dem Weg ins Kanzleramt. Das weiß sie auch, deswegen geht Kramp-Karrenbauer sehr pfleglich mit der CSU um. Umgekehrt braucht auch Söder AKK, weil er gesehen hat, dass Streitigkeiten mit der CDU auch der CSU schaden. Söder muss ebenfalls rasch Erfolge als Ministerpräsident und Parteichef vorweisen, ohne die Unterstützung Kramp-Karrenbauers wird das schwer für ihn.