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Mainzer Bildungsministerin dagegen
Streit um Einschulung ohne Deutschkenntnisse

 Ulrich Commercon Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein
Ulrich Commercon Foto: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein FOTO: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein / Tom Gundelwein
Mainz/Berlin. Kinder später einschulen, wenn sie nicht richtig Deutsch sprechen — in Rheinland-Pfalz wird der jüngste Vorstoß des Unionsfraktionsvizes Linnemann abgelehnt.

Kinder aus zugewanderten oder geflüchteten Familien sollen in Rheinland-Pfalz weiter gemeinsam mit anderen an der Grundschule unterrichtet werden. Nach umstrittenen Äußerungen des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Carsten Linnemann, wandte sich die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag entschieden dagegen, Kinder ohne Deutschkenntnisse noch nicht zur Grundschule zuzulassen und stattdessen eine Vorschulpflicht einzuführen: „Wir brauchen keine Fernhaltepolitik, sondern Integration.“

Neben einer gezielten Sprachförderung in Kindertagesstätten und Schulen sei der Kontakt mit anderen Kindern genauso entscheidend, um Sprache zu lernen und zu verbessern, erklärte die Ministerin. „Die Kommunikation mit Gleichaltrigen schafft zusätzliche Sprechanlässe und steigert die Motivation, die deutsche Sprache zu lernen.“

Linnemann hatte jüngst in der „Rheinischen Post“ mit Verweis auf „neue Parallelgesellschaften“ gesagt: „Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“ Für betroffene Kinder schlug er eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden.



Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold, kritisierte Linnemann und sprach von einer „pauschalen Absage an die Integration“. Der Schwerpunkt müsse auf der Förderung von Kindern mit Migrations- oder Fluchterfahrung liegen, nicht auf deren Ausgrenzung.

 Die rheinland- pfälzische  Bildungs­ministerin  Stefanie Hubig.    Foto: Arnold/dpa
Die rheinland- pfälzische Bildungs­ministerin Stefanie Hubig. Foto: Arnold/dpa FOTO: dpa / Andreas Arnold