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Stratege Seehofer will kein „Libero“ mehr sein

 In der CSU ist Horst Seehofer der König: Er sagt, was passiert und wer es machen soll. Foto: Karmann/dpa
In der CSU ist Horst Seehofer der König: Er sagt, was passiert und wer es machen soll. Foto: Karmann/dpa FOTO: Karmann/dpa
München. Geht es Horst Seehofer nur um die beste Strategie? Oder will er vor allem Markus Söder als allmächtigen Doppel-Nachfolger verhindern? Fakt ist: Er selbst heizt die CSU-Personaldebatte immer weiter an. Agentur

Er kann es nicht lassen. "Wir brauchen jetzt keine Personaldiskussion", mahnte CSU-Chef Horst Seehofer seine Partei erst vergangenen Montag. Einige Tage später ist genau diese Diskussion wieder in vollem Gange - befeuert ausgerechnet von Seehofer selber. In einem Interview deutet der bayerische Ministerpräsident nun öffentlich an, er könnte 2017 auf eines seiner Spitzenämter verzichten. Auf welches lässt er offen.

"Ich kann für die CSU nicht ewig den Libero machen", sagt der 67-Jährige der "Bild". "Einmal soll ich die absolute Mehrheit in München holen und dann die bayerischen Interessen in Berlin durchsetzen." Seehofer argumentiert: "Wenn wir in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen wir uns personell verbreitern." Für ihn ist die Sache ganz klar: Der nächste CSU-Chef muss in Berlin am Kabinettstisch sitzen, um die Durchschlagskraft der Partei zu wahren beziehungsweise zu erhöhen. Darauf hat er injüngster Zeit immer wieder hingewiesen. Nun verweist Seehofer auch öffentlich darauf, dass es eine Ämtertrennung in der CSU schon früher gegeben habe: "Damit ist die CSU auch gut gefahren: Alfons Goppel war Ministerpräsident und Franz Josef Strauß als CSU-Chef in Bonn. Edmund Stoiber war Ministerpräsident und Theo Waigel als CSU-Chef in Bonn."

Damit widerspricht Seehofer in erster Linie sich selber. Bis ins vergangene Jahr hinein hatte er stets erklärt, dass beide Ämter - Ministerpräsident und Parteichef - in eine Hand gehörten. So sagte er etwa 2015: "Sie haben in Berlin wenig Bedeutung, wenn Sie nur als Ministerpräsident kommen oder nur als Parteivorsitzender." Dahinter steht die Überzeugung, dass die absolute Mehrheit und die Stärke in Bayern für die CSU das alles Entscheidende sind. Nun ist Seehofer umgeschwenkt. Begründung: "Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag sieben Parteien haben. Damit wir da den anderen die Stirn bieten können, brauchen wir den CSU-Chef und weitere starke Kräfte in Berlin."



Aber ist das wirklich der Grund für seine Überlegungen? Oder ist ihm vielleicht die Doppelbelastung beider Ämter zu viel? Oder aber - und das ist eine weit verbreitete Meinung bei der CSU - geht es Seehofer vor allem darum, Bayerns Finanzminister Markus Söder als wahrscheinlichen Erben beider politischer Spitzenämter zu verhindern? Tatsächlich sprechen Vorstandsmitglieder schon von einem "brutalen Machtkampf" zwischen den beiden CSU-Alphatieren. Denn Söder will nicht nach Berlin - und wehrt sich nach Kräften gegen eine mögliche "Abschiebung". Deshalb wies er Seehofers Vorschlag für eine Ämtertrennung auch öffentlich zurück - woraufhin Seehofer im Parteivorstand klarstellte, dass die "Hauptverantwortung" für das Abschneiden bei der Bundestagswahl bei ihm als Parteichef liege.

CSU-intern werden nun die verschiedensten Szenarien diskutiert, wie es 2017 und 2018 laufen könnte. Szenario eins: Seehofer will 2017 den Posten als Parteichef abgeben, möglicherweise bei einem vorgezogenen Parteitag, also rechtzeitig vor der Bundestagswahl. Und an wen? Söder? Aber wenn der dabei bleibt, dass er nicht nach Berlin will? Geht dann Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nach Berlin - und wird auch Parteichef? Für Söder wäre das ein Problem: Würde Herrmann Chef, würde es 2018 für Söder schwieriger, Ministerpräsident zu werden - beide kommen aus Franken. Würde sich Söder deshalb, gegen Seehofers Willen, notfalls auch in einer Kampfabstimmung zur Wahl stellen? Ganz am Ende dieses Szenarios stellt sich die Frage: Könnte es sein, dass Seehofer 2018 doch noch mal als Ministerpräsident antritt?

Szenario zwei: Seehofer bleibt Parteichef und wechselt nach der Bundestagswahl als Minister nach Berlin - und macht Söder deshalb vorzeitig zum Ministerpräsidenten . In Söders Lager wird logischerweise diese Variante forciert. Doch Seehofers bisherige Äußerungen lassen dieses Szenario als sehr unwahrscheinlich erscheinen. > Seite 4: Meinung