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Statistisches Bundesamt
Deutlich mehr Fahrradfahrer sterben auf deutschen Straßen

Wiesbaden. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 3265 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Das sind mehr als 2016 und 2017, aber die drittwenigsten seit 1950. Von Eva Krafczyk

Auf deutschen Straßen sind nach zwei Jahren Rückgang wieder mehr Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen. Das Statistische Bundesamt sprach gestern von 3265 Verkehrstoten im Jahr 2018, das sei eine Zunahme von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich handele es sich um den drittniedrigsten Stand seit dem Jahr 1950, berichtete das Amt unter Berufung auf vorläufige Zahlen.

Nach Ergebnissen von Januar bis November geht der Anstieg der Unfalltoten auf eine Zunahme bei getöteten Fahrrad- und Motorradfahrern zurück – und die lag bei Fahrradfahrern mit insgesamt 432 Toten um 13,6 Prozent oder 50 tödlich Verunglückte höher als ein Jahr zuvor. Bei den Pedelecs, die in der Statistik mit den Fahrrädern gezählt werden, war der Anstieg der getöteten Fahrer mit einem Zuwachs um 28,4 Prozent besonders hoch, sagte ein Sprecher des Statistischen Bundesamts. Hinzu kamen 699 getötete Motorradfahrer, dies bedeutet einen Anstieg um neun Prozent oder 57 Tote, wie das Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilte. Die Zahl sank hingegen bei den Fußgängern um rund sechs Prozent auf 456 und bei den Autofahrern um rund zwei Prozent.

Von einer „bedrückenden“ Situation spricht Stephanie Krone, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „In Deutschland stirbt jeden Tag im Jahr mindestens eine Radfahrerin oder ein Radfahrer, am häufigsten durch fahrlässig abbiegende Autos und Lastwagen. In drei Vierteln dieser Fälle sind die Kraftfahrer die Unfallverursacher, indem sie den Radfahrenden die Vorfahrt nehmen.“



Die Gesamtzahl der von der Polizei aufgenommenen Unfälle ging mit 0,4 Prozent leicht auf 2,6 Millionen zurück. Zu Sachschäden kam es in 2,3 Millionen Fällen. Tote oder Verletzte gab es in 307 900 Fällen, das sind 1,7 Prozent mehr. Die Zahl der Verletzten stieg um 1,1 Prozent auf rund 394 000.

„Nach dem langen heißen Sommer war klar, dass es zu einer Zunahme kommt“, sagt Siegfried Brockmann, der Leiter Unfallforschung der Versicherer. Angesichts der Wetterbedingungen waren viele Motorradfahrer unterwegs – und mit der höheren Zahl der Fahrten ist auch eine höhere Zahl von Unfällen plausibel. Der zweistellige Zuwachs der getöteten Fahrradfahrer hingegen sei nicht allein durch das Wetter zu erklären.

Es gab zweistellige Zuwachsraten bei der Nutzung von Pedelecs, das ist vor allem auf Senioren zurückführen, sagt der Unfallforscher. „Viele alte Menschen genießen dabei eine neue Mobilität, nachdem sie für das Fahrradfahren keine Puste mehr haben oder wegen künstlicher Gelenke auf dem herkömmlichen Fahrrad Probleme haben“, schildert Brockmann. Leider habe das auch eine Kehrseite. „Die Beherrschung des Fahrzeuges, gerade mit der höheren Geschwindigkeit, ist in vielen Fällen nicht gegeben.“ Ein weiteres Thema sei die Infrastruktur, gerade im innerstädtischen Bereich. „Da muss sich natürlich was verbessern“, betont Brockmann. „So lange es nur wenige Fahrräder gab, war das kein Problem“, meint der Unfallforscher zu den Risiken im innerstädtischen Verkehr.

Angesichts der Zunahme von Fahrradfahrern seien jedoch breitere Fahrradspuren auf der Straße und insbesondere in Kreuzungsbereichen notwendig, um Unfallrisiken zu senken.