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20 Jahre Raumstation ISS
So steht es um den schwerelosen Koloss im Orbit

Moskau.

Auf der Internationalen Raumstation (ISS) gibt es Grund zu feiern, wenn der Astronaut Alexander Gerst im Herbst das Kommando übernimmt. Nicht nur, weil er der erste Deutsche ist, dem diese Ehre zuteil wird, sondern auch, weil die ISS 20 Jahre alt wird. Als erstes Bauteil der Station wurde am 20. November 1998 das russische Modul „Sarja“ (Morgenröte) in den Orbit geschickt. Seither ist die „Weltraum-WG“ auf mehr als ein Dutzend Module gewachsen, in denen bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten.

Wie steht es um die Raumstation?



Astronaut Gerst zumindest war vor seiner ersten Weltraummission 2014 begeistert vom inneren Zustand der Station: „Ich war hin und weg, wie gut die aussieht.“ Die Außenwand sei jedoch ein anderes Thema. „Es gibt Tausende kleinste Meteoriteneinschläge. Das sind ganz kleine Krater“, erzählt er. „Aber das betrifft die Funktion nicht.“ Die Technik unter der Abdeckung sei wie neu. Das habe er bei seinem Außeneinsatz damals selbst gesehen. Diese Außeneinsätze seien wichtig für die Wartung.

Wie lange hält die ISS noch durch?

„Der anfälligste Bereich ist die Konstruktion selbst“, meint der Leiter des russischen ISS-Segments, Wladimir Solowjow. Die Station hermetisch dicht zu halten, sei eine große Herausforderung. Wenn ein Modul in einem kritischen Zustand sei, könne man dieses ersetzen. Doch dies sei eine Kosten-Nutzen-Frage. Die Bordsysteme könnten leichter aktuell gehalten werden. Rund 100 Computer seien in einem Netzwerk verbunden. „In den vergangenen 20 Jahren haben wir schon acht Mal ‚den Intellekt’ der Station komplett erneuert.“ Dies sei wichtig, „damit wir auch zeitgemäße und seriöse Experimente machen können.“

Was kostet das Projekt?

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als teuerstes Gebäude der Welt. Die Gesamtkosten seit 1998 liegen bei über 100 Milliarden US-Dollar. Zur exakten Summe halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Sicher ist aber, dass die USA noch vor Russland den Löwenanteil der Betriebskosten zahlen – mehr als drei Milliarden Dollar jährlich. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa gibt etwa 300 Millionen Euro im Jahr aus.

Wie geht es mit der ISS weiter?

Bis 2024 ist die Finanzierung gesichert. Danach strebt die Regierung von US-Präsident Donald Trump einen Schnitt an. Sie will das Weltraumlabor privatisieren. Auch Russland tendiert in Rictung Privatisierung, jedoch erst nach 2028. Einzig die Europäer wollen noch an der ISS festhalten. „Auch über 2024 hinaus werden wir Schwerelosigkeitsversuche im niedrigen Erdorbit brauchen“, sagt Jan Wörner, Chef der Esa.

Gibt es bereits Alternativen?

Die USA und Russland arbeiten an Plänen für eine bemannte Raumstation, die um den Mond kreist. Dieser „Deep Space Gateway“ könnte Ausgangspunkt für Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge zum Mars werden. Russlands Flugleiter Solowjow hält davon nicht viel. „Wir können die Strahlungsbelastung dort nicht abschätzen. Das ist sehr gefährlich für Menschen“, sagt der 71-Jährige. Er sei stattdessen für eine neue Raumstation im Erdorbit. „Dort könnten wir Geräte für den Flug zum Mond und zum Mars zusammenbauen.“