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Sigmar Gabriel strebt SPD-Bundesvorsitz an

Berlin. Der als Kanzlerkandidat gescheiterte Frank-Walter Steinmeier verzichtet auf den Anspruch, neben dem Fraktionsvorsitz auch das Amt des SPD-Chefs zu übernehmen. Bei der Fraktionssitzung in Berlin erklärte Steinmeier gestern, Partei- und Fraktionsvorsitz sollten auf "mehrere Schultern" verteilt werden

Berlin. Der als Kanzlerkandidat gescheiterte Frank-Walter Steinmeier verzichtet auf den Anspruch, neben dem Fraktionsvorsitz auch das Amt des SPD-Chefs zu übernehmen. Bei der Fraktionssitzung in Berlin erklärte Steinmeier gestern, Partei- und Fraktionsvorsitz sollten auf "mehrere Schultern" verteilt werden. In Parteikreisen wurden Meldungen bestätigt, dass der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel (Foto: ddp) Nachfolger von SPD-Chef Franz Müntefering werden soll. Neue SPD-Generalsekretärin wird danach die Parteilinke Andrea Nahles (Foto: ddp). Auf eine solche Lösung laufe jetzt alles hinaus, hieß es auch in Steinmeiers Umgebung. Gewählt wird die neue Führung auf einem Parteitag Mitte November in Dresden. Er habe nach der Wahl am Sonntag überlegt, ob er sich aus der Verantwortung stehlen oder weiter mithelfen solle, die SPD wieder voranzubringen, erklärte Steinmeier vor den Abgeordneten. Er habe sich für das Letztere entschieden. "Die Fraktion ist das Machtzentrum der Partei", betonte er weiter. Sie müsse "Vorbildfunktion für die gesamte Partei" haben. Steinmeier erinnerte an die wichtige Rolle, die die SPD-Fraktion nach dem Machtverlust im Bund 1982 gespielt habe. Der bisherige SPD-Generalsekretär Hubertus Heil gab gestern seinen Verzicht auf eine Neuwahl bekannt. Auch der bisherige SPD-Vize Peer Steinbrück kündigte am Rande der Fraktionssitzung an, er werde weder für ein Vorstands- noch Fraktionsamt kandidieren. "Ich bin zu dieser Entscheidung nicht gedrängt worden", sagte er. Nach 16 Jahren als Landes- und Bundesminister sei es sicherlich verständlich, "dass ich über meine eigene Zeit etwas freier verfügen will". Er wolle mit seinem Schritt auch für Jüngere in der Partei Platz machen. Der amtierende SPD-Vorsitzende Müntefering bestätigte seine Absicht, auf dem Parteitag Mitte November in Dresden sein Amt aufzugeben. Bis dahin wolle er den Übergang organisieren. > Seite 2: Berichte; Seite 4: Meinung dpa