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Schulz soll SPD-Kanzlerkandidat werden

Berlin. Paukenschlag bei den Sozialdemokraten: Parteichef Sigmar Gabriel überlässt dem Europapolitiker Martin Schulz sein Amt und die Kanzlerkandidatur. Ob die Personalrochade die Chancen der SPD bei der Bundestagswahl am 24. September erhöht? Agentur

Nach dem überraschenden Rückzug von Sigmar Gabriel hat der designierte Kanzlerkandidat Martin Schulz der SPD Hoffnung auf einen Sieg bei der Bundestagswahl im Herbst gemacht. "Dieses Land braucht in diesen schwierigen Zeiten eine neue Führung", sagte der frühere EU-Parlamentspräsident gestern Abend in Berlin . "Die SPD hat den Führungsanspruch in diesem Land." Allerdings liegen die Sozialdemokraten in Umfragen weit abgeschlagen hinter der Union von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ).

Schulz kündigte eine harte Auseinandersetzung mit Populisten und Extremisten an: "Ich sage in dieser auseinander driftenden Gesellschaft allen Populisten und den extremistischen Feinden unserer Demokratie und unserer pluralen Werteordnung hier entschieden den Kampf an." Er fügte hinzu: "Mit mir wird es kein Bashing gegen Europa geben. Mit mir wird es keine Hatz gegen Minderheiten geben." Schulz war seit 1994 im Europaparlament und zuletzt dessen Präsident.

Nachdem Gabriel Schulz in der SPD-Fraktionssitzung vorgeschlagen hatte, nominierte das SPD-Präsidium den 61-Jährigen einstimmig als Herausforderer von Merkel und künftigen Vorsitzenden. "Es kann sein, dass ich die besten Chancen habe, für die SPD die Bundestagswahl zu gewinnen. Und das ist genau der Grund, warum ich diese Aufgabe übernehme", sagte Schulz. Auch Gabriel erklärte, er habe Schulz den Vortritt gelassen, "weil er die besseren Chancen hat. Das liegt auf der Hand". Schulz erhält seit Wochen in den Umfragen wesentlich bessere Werte als Gabriel. "Er ist jemand, der Brücken bauen kann, der Menschen zusammenführt." Dass er und Schulz befreundet seien, sei wichtig, aber nicht ausschlaggebend gewesen, sagte Gabriel und bezeichnete Schulz als "großen Sozialdemokraten ".



Der 57-jährige Gabriel will nun Außenminister werden und Vizekanzler bleiben. Die frühere Justizministerin Brigitte Zypries (63) soll seine Nachfolgerin an der Spitze des Wirtschaftsressorts werden. Schulz soll wahrscheinlich im März auf einem vorgezogenen Parteitag zum SPD-Chef gewählt werden und dann Kanzlerin Merkel bei der Bundestagswahl am 24. September herausfordern. > Seite 4: Bericht und Meinung