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Bande operierte in Bunker
Schlag gegen Cyberkriminelle in Rheinland-Pfalz

Traben-Trarbach. Die Polizei hat eine Bande ausgehoben, die von Traben-Trarbach aus im Darknet eine weltweite Plattform für Drogen und Kinderpornos betrieb und Cyberattacken startete. Es gab sieben Festnahmen.

Es ist der größte Schlag deutscher Ermittler gegen Kriminalität im Internet, sogenannte Cyberkriminalität. Nach vier Jahren Ermittlungen schlugen die Fahnder am Donnerstag zu. In einer von langer Hand geplanten Razzia, an der 650 Einsatzkräfte – darunter die GSG 9 – beteiligt waren, nahmen die Fahnder sieben Personen in Traben-Trarbach fest. Sie stehen im Verdacht, in einem ehemaligen, bis zu fünf Stockwerke unter der Erde liegenden Bundeswehr-Bunker in Traben-­Trarbach ein Rechenzentrum betrieben zu haben. Einziger Zweck sei es gewesen, Kriminellen die Rechnerleistungen zur Verfügung zu stellen, um über die Server Internetseiten im Darknet zu betreiben, sagt Johannes Kunz, Chef des Landeskriminalamtes (LKA).

Über die Seiten wurden illegale Waffen, gefälschte Dokumente, gestohlene Daten und Drogen verkauft und Kinderpornos verbreitet. Allein über eine Plattform sollen 250 000 Drogengeschäfte im Wert von über 41 Millionen Euro abgewickelt worden sein. Ferner wurde aus dem Bunker heraus ein großangelegter Hackerangriff auf 1,25 Millionen Telekom-Kunden im November 2016 gesteuert.

Ermittelt wird gegen 13 Verdächtige, sieben wurden am Donnerstag festgenommen, unter anderem in einem Restaurant in Traben-Trarbach. Zeitgleich fanden Durchsuchungen in Luxemburg, Polen, den Niederlanden und Schweden statt.



Unter den Festgenommenen ist auch der Hauptbeschuldigte, ein 59-jähriger Niederländer. Er hat nach Informationen unserer Zeitungsgruppe das 13 Hektar große Areal mit dem 5000 Quadratmeter großen Bunker 2013 nach dem Abzug des Militärs von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über eine Stiftung gekauft. Bereits damals bezeichnete er den Bunker als „idealen Standort für hochsensible Daten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Technik“.

Der Niederländer habe Kontakte zum organisierten Verbrechen, sagte Kunz. Auch soll der Mann bereits in seinem Heimatland ein Rechenzentrum betrieben haben, über das Plattformen für kriminelle Machenschaften im Darknet gelaufen sein sollen. 2015 hätten dann die Ermittlungen begonnen, sagte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Freitag bei einer Pressekonferenz in der Landespolizeischule auf dem Flughafen Hahn. Die Fahnder stellten bei der Razzia mehr als 200 Server sicher.

Die Herausforderung für die Einsatzkräfte sei gewesen, die hohen Sicherheitsvorkehrungen um und in der Anlage zu überwinden. Die Fahnder durchkämmten das gesamte Gelände und durchsuchten jeden der insgesamt 500 Räume.