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Schäuble warnt Verbraucher vor illegaler Arznei

Berlin. Der Markt für gefälschte Arzneimittel boomt. 2015 stellte der Zoll viermal so viele Pillen sicher wie im Jahr davor. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble rät, Arzneimittel nur aus „seriösen Quellen“ zu beziehen. Agentur

Der Zoll hat vergangenes Jahr im großen Stil gefälschte und illegale Arzneimittel aus dem Verkehr gezogen. Es seien 3,9 Millionen Tabletten beschlagnahmt worden, viermal so viele wie 2014, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ) bei der Zoll-Jahrespressekonferenz in Berlin . Er riet Verbrauchern, Arzneimittel nur aus "seriösen Quellen" zu beziehen. Der Pharmazeut Harald Schweim sagte, manche gefälschte Pillen enthielten "ausschließlich Straßendreck". Der Kampf gegen gefälschte Medikamente war im vergangenen Jahr ein Schwerpunkt des Zolls. Arzneimittelkriminalität sei für die Behörde ein besonders wichtiges Thema, sagte Schäuble gestern. Immer stärker richteten sich die Ermittlungen dabei gegen "größere kriminelle Strukturen": Während die Zahl der eingeleiteten Verfahren zurückgegangen sei, gebe es "sehr viel mehr Beschuldigte". Schäuble ermahnte Verbraucher eindringlich, ihre Medikamente nur bei niedergelassenen Apothekern oder zertifizierten Internet-Anbietern zu kaufen. Gerade im Internet lauerten viele unseriöse Verkäufer. "So kann die vermeintliche Schnäppchenjägerei böse Folgen für die Gesundheit der Verbraucher haben", warnte er. Pharmazeut Schweim von der Universität Bonn warnte auf der Pressekonferenz, gefälschte Medikamente könnten durchaus lebensgefährlich sein. Die Produkte sähen ähnlich aus wie das jeweilige Original, würden aber "auf die billigste aller möglichen Arten" produziert. Sowohl bei pharmazeutischen Wirkstoffen als auch bei gebrauchsfertigen Medikamenten stamme der Großteil der gefälschten oder illegalen Ware aus China. Es lasse sich damit mehr Geld machen "als im Betäubungsmittelbereich". Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU ) forderte härtere Strafen für Arzneimittelfälscher, die an Strafen für Drogendelikte angelehnt werden sollen. Während die Arzneifälschungen boomen, geht auch die Rauschgiftkriminalität nicht zurück, wie der für den Zoll zuständige Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, Julian Würtenberger, sagte. So nähmen etwa die Kokainfunde stark zu.