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Rücktritt Lindners stürzt FDP in die nächste Krise

Berlin. Mit dem überraschenden Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner hat sich die schwere Krise der FDP noch weiter verschärft. Lindner begründete seinen Schritt gestern mit dem Wunsch, der durch Wahlniederlagen und den Streit um den Euro-Mitgliederentscheid verunsicherten Partei "eine neue Dynamik zu ermöglichen"

Berlin. Mit dem überraschenden Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner hat sich die schwere Krise der FDP noch weiter verschärft. Lindner begründete seinen Schritt gestern mit dem Wunsch, der durch Wahlniederlagen und den Streit um den Euro-Mitgliederentscheid verunsicherten Partei "eine neue Dynamik zu ermöglichen". Parteichef Philipp Rösler reagierte bestürzt und stellte noch am Abend Patrick Döring als neuen Generalsekretär der Liberalen vor. Der 38-jährige Döring war bisher Schatzmeister und stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender.Lindner unterrichtete Rösler erst gestern Vormittag. Vor Journalisten betonte er danach, er wolle der FDP ermöglichen, die Bundestagswahl 2013 "mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten und damit auch mit neuen Impulsen für die FDP zu einem Erfolg zu machen". Vor Lindners Rücktritt hatte sich der parteiinterne Streit um den FDP-Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM verschärft. Auch Lindner wurde kritisiert: Er hatte - wie auch Rösler - vor Ablauf des Entscheids am Dienstag die Vermutung geäußert, dass die Abstimmung an zu geringer Beteiligung der Basis scheitern werde.

In der Partei wurde Lindners Entscheidung mit Bestürzung aufgenommen. Vizeparteichefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sprach von einem "Schock für die FDP". Gerhard Papke, Fraktionschef in Lindners Heimat NRW, sah eine "substanzielle Schwächung in der Führung" der Partei.

Scharfe Kritik kam vom ehemaligen Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP). Die Partei sei in "Lebensgefahr", sagte er. Baum wertete Lindners Schritt als "Misstrauensvotum" gegen Rösler und forderte das Parteipräsidium zum Rücktritt auf.



Auch das rheinland-pfälzische FDP-Urgestein Hans-Artur Bauckhage sagte, das gesamte Präsidium der Partei müsse nun auf den Prüfstand und neu gewählt werden. Dazu gehöre auch "die Absetzung" von Außenminister Guido Westerwelle, unterstrich der ehemalige rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister.

Laut Bauckhage ist Westerwelle maßgeblich für das Umfragetief der Liberalen verantwortlich. Er sei "so unten durch, dass er kein Renommee mehr hat". > Seite 2: Berichte, Seite 4: Meinung afp/dapd

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