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Roland Koch kehrt der Politik den Rücken

Mainz/Wiesbaden. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU, Foto: dpa) plant offenbar einen Wechsel in die Wirtschaft und will sein Amt als Landesregierungschef, das er seit 1999 innehat, am 31. August aufgeben. Nachfolger soll der hessische Innenminister Volker Bouffier (58) werden. "Politik ist ein faszinierender Teil meines Lebens Von Merkur-Korrespondent Frank Giarra und Agenturen

Mainz/Wiesbaden. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU, Foto: dpa) plant offenbar einen Wechsel in die Wirtschaft und will sein Amt als Landesregierungschef, das er seit 1999 innehat, am 31. August aufgeben. Nachfolger soll der hessische Innenminister Volker Bouffier (58) werden. "Politik ist ein faszinierender Teil meines Lebens. Aber Politik ist nicht mein Leben", sagte Koch gestern zur Begründung. Bundeskanzlerin Angela Merkel und seine Familie hätten bereits seit einem Jahr von seinen Plänen gewusst. Als stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender kandidiert Koch ebenfalls nicht mehr. Im Gespräch dafür ist der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich.Der in Eschborn bei Frankfurt geborene Wirtschaftsjurist Koch blieb trotz eines schlechten Ergebnisses bei der Landtagswahl 2008 im Amt, weil der Versuch von Andrea Ypsilanti (SPD) spektakulär scheiterte, eine Koalition mit den Grünen und den Linken zu bilden. In Hessen regiert die CDU seit 2009 mit der FDP. Koch war immer wieder für Spitzenämter in Berlin im Gespräch. Zuletzt hatte er mit der Forderung für Aufsehen gesorgt, angesichts leerer Kassen müsse auch bei der Bildung und Kinderbetreuung gespart werden (wir berichteten). "Respekt vor der freiwilligen und unvoreingenommenden Entscheidung" äußert der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen. Nach Friedrich Merz komme der CDU "erneut ein Repräsentant des bürgerlichen Lagers abhanden". Die Union verliere "einen ihrer profiliertesten Köpfe", bedauert der rheinland-pfälzische CDU-Landeschef Christian Baldauf.Kritik kommt von der SPD. Als ein "politisches Erdbeben" bezeichnet der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Kochs Rückzug. Von den außerparlamentarischen Linken heißt es, Kochs Wirken in Hessen sei "die Geschichte eines beispiellosen Sozialabbaus". Derweil zeigt sich nach dem überraschenden Rückzug von Ministerpräsident Roland Koch die hessische CDU geschlossen. Es gebe jetzt keinen Riss in der Landes-Union, sagte der Generalsekretär der CDU Hessen, Peter Beuth, gestern Abend in Bad Nauheim. Über den angekündigten Rücktritt von Koch werde die Partei nun "kameradschaftlich" beraten. In Bad Nauheim waren am Abend die Vorsitzenden der 26 hessischen CDU-Kreisverbände mit der Spitze der Landespartei zu einer Sondersitzung zusammengekommen. > Seiten 2 und 3: Berichte, Seite 4: Meinung