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Ein historischer Tag
Riesen-Show zum Focus-Start in Saarlouis

 Künstlich erzeugter Nebel umhüllt bis wenige Sekunden vor dem offiziellen Start den neuen Ford Focus. Dann wird das Geheimnis unter großem Beifall der Ford-Belegschaft und der anwesenden Prominenz gelüftet. Monatelang wurde auf diese Premiere hingearbeitet. Zahlreiche Mitarbeiter halten den Moment mit ihren Handykameras fest – andere stehen staunend daneben.
Künstlich erzeugter Nebel umhüllt bis wenige Sekunden vor dem offiziellen Start den neuen Ford Focus. Dann wird das Geheimnis unter großem Beifall der Ford-Belegschaft und der anwesenden Prominenz gelüftet. Monatelang wurde auf diese Premiere hingearbeitet. Zahlreiche Mitarbeiter halten den Moment mit ihren Handykameras fest – andere stehen staunend daneben. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann ist überzeugt: Mit dem neuen Auto ist das saarländische Werk auf viele Jahre gesichert. Von Thomas Sponticcia

. Es ist ihr Moment. Man kann es spüren. Über 7000 Mitarbeiter im Ford-Werk Saarlouis haben ihm entgegengefiebert: monatelang. Sie haben dafür geschuftet: tagsüber, nachts, an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen. Sie haben Teams gebildet, völlig Neues gelernt, Konflikte ausgetragen, Umstellungen in der Produktion gestemmt. Und sie sind an Belastungsgrenzen gegangen, oft sogar darüber hinaus, was sowohl die Chefetage als auch der Betriebsrat gleichermaßen anerkennen.

Jetzt, in dem Moment, der so vieles verändert, scheint die ganze Plackerei vergessen zu sein. Zu Hunderten strömen sie aus allen Richtungen in die Halle. Heiß begehrt sind die Plätze direkt vor der Bühne, als gelte es, den Top-Act eines Open-Air-Festivals zu begrüßen. Die Meisten zücken ihre Handys, um diesen feierlichen Moment festzuhalten. Ja, hier wird gerade auch ein Stück Geschichte geschrieben: für das Ford-Werk, die Stadt Saarlouis, das ganze Saarland. Und sie sind mittendrin. Auch der Ministerpräsident sowie die Wirtschaftsministerin sind gekommen.

Plötzlich läuft ein Countdown runter, laute Musik dröhnt durch die Halle, ein Film startet. Noch vor den „Offiziellen“ kommen darin Mitarbeiter aus allen Werksbereichen zu Wort, schildern ihre Eindrücke von der Entstehung des neuen Focus in der inzwischen vierten Generation. Die Stimmung hat etwas von einem Familienfest. Zumal Ralph Caba, Ford-Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, sogar Gäste aus Berlin begrüßt. Die Vorsitzenden des Focus-Fanclubs haben die weiteste Anreise hinter sich. Ja, auch so etwas gibt es.



Mitten unter den Beschäftigten steht Gunnar Herrmann, heute Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke Deutschland. Er gilt als der Vater des Focus überhaupt. Schon die Entstehungsgeschichte dieses Fahrzeugs in Saarlouis gleicht einer kleinen Sensation. Denn eigentlich war etwas völlig anderes geplant, wie Herrmann unserer Zeitung nebenbei verrät. „Ich arbeitete 1995 für Ford in Amerika und erhielt einen Anruf. Man sagte mir: Du musst den Focus machen. Ich fragte erst einmal: Was ist das überhaupt? Man sagte mir: etwas völlig Neues.“ Das Besondere daran: Es gab noch überhaupt nichts davon, nicht einmal Pläne. Denn eigentlich stand schon das Nachfolgemodell des in Saarlouis produzierten Escort komplett durchkonstruiert zur Produktion bereit. Das Management war aber nicht mehr so recht glücklich damit. Es musste was Anderes her, etwas, was Aufbruch vermittelt, verbunden mit Top-Design und Top-Technologie. Herrmann nimmt die Herausforderung an, macht sich an die Arbeit, konstruiert mit einem kleinen Team das völlig neue Auto. „Alle bis dahin existierenden Planungen für die Produktion wurden in die Tonne getreten. Wir hatten alle Freiheiten.“ Herrmann, der die ersten drei Generationen des Focus verantwortet hat, erinnert sich gerne an diese Zeit. Lächelnd fügt er hinzu: „Den Ford C-Max haben wir dann nebenbei noch mit erfunden. Der war ursprünglich gar nicht vorgesehen.“

Stolz ist der Chef-Manager auf das, was jetzt als vierte Generation „Made in Saarlouis“ an den Start geht. Unterdessen stimmt die Band „Die Büddenbacher“ rockig den Van Halen-Hit „Jump“ (Springen) an. Springen soll er schon, der neue Focus: möglichst ganz weit nach oben in den Verkaufszahlen. 1750 dieser Fahrzeuge rollen ab sofort täglich von den Bändern im Saarlouiser Werk. Ein kleiner Teil davon sind auch weiter Autos des Typ C-Max, der Van-Variante des Focus. Im Herbst steht der neue Focus erstmals bei den Händlern.

Herrmann lässt in seiner Rede klar erkennen, was er über den neuen Focus und das Werk denkt: „Wir machen in Saarlouis so manches möglich, was andere für unmöglich halten. Wir beweisen das seit fünf Jahrzehnten. Und wir sind nicht nur mit unseren 7000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber im Saarland, sondern auch einer der leistungsstärksten Motoren für die Saar-Wirtschaft.“ Das Saarlouiser Werk gelte „als eines der effizientesten und produktivsten Automobilwerke weltweit“. Deshalb gibt er sich zugleich optimistisch, dass auch die fünfte Generation des Focus in Saarlouis gebaut werden wird. Man werde wohl auch 2030 noch hier präsent sein und sich zugleich neuen Technologien stellen.

Dieses Stichwort kommt wie gerufen für den erst kürzlich mit einem Rekordergebnis wiedergewählten Betriebsratsvorsitzenden Markus Thal. Der Betriebsrat fordert die Ford-Spitze schon länger dazu auf, Saarlouis auch bei der Entwicklung von neuen Technologien stärker zu beteiligen, etwa der Elektromobilität. Thal betont:„Wir haben uns als Belegschaft in den vergangenen zwölf Monaten für mehr qualifiziert: für mehr Modelle und auch für mehr Autos“. Für ihn steht zugleich fest: „Die deutschen Belegschaften von Ford stehen für Autos in bester Qualität: egal, welche Technik kommt“. Das sieht Werkchefin Kerstin Lauer genauso. „Lasst uns Autos bauen für die ganze Welt“, ruft sie ihren Mitarbeitern zu. Schon heute gelangen rund 85 Prozent der in Saarlouis gefertigten Autos in den Export. Besonders viele dieser Fahrzeuge werden nach Großbritannien verkauft. Dann folgt endlich der so langersehnte Höhepunkt: Mitarbeiter enthüllen den blitzeblank polierten, blauen Focus als Premierenfahrzeug. „Die Büddenbacher“ texten dazu den Tina-Turner-Hit „Simply the best“ um in „Focus the best“. Nahezu alle Hände sind in dem Moment oben, die Halle rockt.

Gunnar Herrmann, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) verschaffen sich erste Eindrücke. Hans sagt über das Auto: „Es wird in seiner Klasse eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Dann lässt sich der Ministerpräsident von Mitarbeitern zu Selfies überreden. Solche Gelegenheiten hat man nicht alle Tage. Wirtschaftsministerin Rehlinger betont, die Qualität aus dem Ford-Werk Saarlouis sei ein Merkmal, „das wir in die Welt hinaustragen sollten“. Dafür bekommt sie viel Applaus.

Herrmann schwärmt: „Wir haben heute ein Auto auf die Räder gestellt, das besser, fortschrittlicher und innovativer ist als alles, was wir bisher in Europa auf den Markt gebracht haben.“ Elektronik mit zahlreichen neuen Assistenzsystemen beherrsche das Fahrzeug. Es bremse automatisch, könne Fahrzeugen ausweichen, Schilder im Straßenverkehr lesen und die Geschwindigkeit anpassen. Jetzt muss sich das Auto am Markt bewähren. Marco Dellwing (34) aus Nonnweiler-Sitzerath arbeitet in der Endmontage. Er bestätigt: „Das Auto fühlt sich super an. Wir sind alle froh, dass wir es haben. Ich freue mich auf die Herausforderung.“

 Produktionsstart des neuen Ford Focus. Die vierte Generation des Erfolgsmodells laeuft in Saarlouis vom Band.

Foto: Rolf Ruppenthal/ 8. Mai 2018
Produktionsstart des neuen Ford Focus. Die vierte Generation des Erfolgsmodells laeuft in Saarlouis vom Band. Foto: Rolf Ruppenthal/ 8. Mai 2018 FOTO: Ruppenthal