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CDU-Mann Volker Bouffier
Merkels Mann in Hessen will’s nochmal wissen

Kanzlerin Angela Merkel stand ihrem treuen Unterstützer Volker Bouffier im Wahlkampf zur Seite. Die schwarz-grüne Kombination war sicher Zufall.
Kanzlerin Angela Merkel stand ihrem treuen Unterstützer Volker Bouffier im Wahlkampf zur Seite. Die schwarz-grüne Kombination war sicher Zufall. FOTO: dpa / Silas Stein
Wiesbaden. Volker Bouffier ist ein CDU-Urgestein, und doch ganz anders als früher. Der Getreue der Kanzlerin wird als Landesvater geschätzt – der er wohl bleiben kann. dpa/red

Ein Mann, eine Partei, eine lange Geschichte: Volker Bouffier prägt als Ministerpräsident, CDU-Bundesvize und hessischer Landeschef seit etlichen Jahren entscheidend die Politik der Christlich-Demokratischen Union. In der Endphase seiner politischen Karriere hat sich die Rolle des 66-Jährigen vor und hinter den Kulissen allerdings spürbar verändert. Galt der Mann mit der rauen Stimme früher als Scharfmacher und der hessische CDU-Landesverband bei Kritikern als „Stahlhelmfraktion“, sieht sich deren Chef Bouffier mittlerweile in Bund und Land als Vermittler und Bündnisschmied mit fast präsidialen Zügen. Sinnbildlich dafür steht die anfangs argwöhnisch beäugte schwarz-grüne Regierungskoalition in Hessen, die seit fünf Jahren nahezu geräuschlos zusammenarbeitet.

Nun kann Bouffier nach ersten Prognosen des Wahlabends wohl weitermachen, weil es – anders als erwartet – gegen ihn wohl keine Mehrheit gibt. Schon bei der Stimmabgabe in Gießen zeigte sich der Landesvater am Morgen zuversichtlich. „Wir haben eine hohe Anerkennung für unsere Arbeit erzielt und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir ein erneutes Mandat bekommen“. Die CDU habe den Anspruch, als entscheidende Kraft die neue Landesregierung zu bilden.

Der Gießener Jurist Bouffier stammt aus einer CDU-geprägten Familie und trat selbst früh in die Partei ein. Er war schon als junger Mann mehrere Jahre Vorsitzender der Jungen Union und anschließend Mitglied des Landesvorstands. Nach dem Rückzug von Regierungschef Roland Koch aus der Politik in die Wirtschaft, unter dem Bouffier das Innenressort verantwortete, zog er im Jahr 2010 in die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden ein. Gleichzeitig wurde Bouffier in dem Jahr CDU-Landeschef und stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU.



Bouffier betont gerne seinen engen Kontakt zu Kanzlerin Angela Merkel und gilt als treuer Unterstützer der CDU-Chefin. Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist ein Mann der klaren Sprache. Auf Volksfesten und in Wahlkampfhallen bewegt sich der CDU-Mann genauso selbstverständlich wie auf dem Berliner oder internationalen Parkett. Smalltalk, Hände schütteln, Schultern klopfen und dabei auch Strippen ziehen, das ist für den Fußball-Fan ganz selbstverständlich.

Selbst Bouffiers politische Gegner wie sein SPD-Widersacher Thorsten Schäfer-Gümbel würdigen, dass sich der CDU-Politiker mit seiner jahrelangen Erfahrung für Hessen und die Belange der Menschen einsetzt. Gerade die Linke hält Bouffier jedoch immer wieder seine Rolle als damaliger Innenminister bei der Aufklärung der NSU-Mordserie vor. Einig sind sich alle darin, dass er einen Hang zu langen Monologen hat.

Bouffier, der nach einem schweren Autounfall als junger Mann den Traum von der Basketball-Profikarriere aufgeben musste, hat die Koalition mit den Grünen schätzen gelernt – trotz harter Arbeit für die geräuschlose Zusammenarbeit. Mit dem grünen Vize-Regierungschef Tarek Al-Wazir ist der CDU-Mann per Du und mittlerweile ein eingespieltes Team – das wohl weiterarbeiten kann, wie die ersten Zahlen von gestern andeuteten. Demnach reichte es für ein Dreier-Bündnis mit der FDP, zeitweise sogar für Schwarz-Grün.

Obwohl er im Dezember 67 wird und oft unter Rückenschmerzen leidet, will Bouffier bei einer Wiederwahl die volle Legislatur als Landesvater bestreiten. Danach soll aber Schluss sein. „Ich habe immer gesagt, wenn der liebe Gott und meine Frau mich lassen (... ), dann möchte ich diese Periode auch weiterarbeiten“, sagte er ein paar Tage vor der Wahl. „Ich will das machen – und dann ist aber auch gut.“