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Tarek Al-Wazir
Der streitlustige grüne Minister mit der „Offenbacher DNA“

Tarek Al-Wazir, grüner Wirtschaftsminister in Hessen und ein Wahlsieger des Abends.
Tarek Al-Wazir, grüner Wirtschaftsminister in Hessen und ein Wahlsieger des Abends. FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka
Wiesbaden. Tarek Al-Wazir hat die hessischen Grünen in die Landesregierung geführt. Dass die Koalition mit der CDU so geräuschlos verlief, hat auch mit ihm zu tun. dpa

Der grüne Höhenflug hat auch ihn erfasst. Nach den ersten Zahlen des Wahlabends haben Tarek Al-Wazir und seine Grünen beste Chancen, Teil der hessischen Landesregierung zu bleiben. Für die zweitstärkste Kraft und die Option eines grünen Ministerpräsidenten, die zeitweise schon spekuliert worden war, reichte es zwar wohl nicht. Doch der Erfolg ist zählbar. Al-Wazir führt und prägt die hessischen Grünen seit vielen Jahren. Schon als junger Mann startete er politisch durch, errang bereits im Alter von 24 ein Mandat als Abgeordneter im Landtag in Wiesbaden. Für das Parlament ist er eine absolute Bereicherung: Streitlustig, rhetorisch geschliffen und nie um einen ironischen Seitenhieb verlegen bringt der 47-Jährige Schwung in langweilige Debatten.

Al-Wazir war das Gesicht des grünen Wahlkampfes, auch wenn auf dem ersten Listenplatz der Partei formal Priska Hinz steht. Beide bildeten die typisch grüne Doppelspitze. Er ist schlank, sportlich und trägt einen Bürstenhaarschnitt, der inzwischen ergraut ist. Bis zu seiner Vereidigung als hessischer Wirtschafts- und Verkehrsminister 2014 war Al-Wazir sechs Jahre Landeschef seiner Partei gewesen. Der Sprecher der Offenbacher Grünen, Wolfgang Malik, ist ein langjähriger politischer Weggefährte. Trotz seiner Karriere sei Al-Wazir „nie abgeschwebt“ und tief in seiner Heimat verwurzelt, sagt Malik. „Er lebt die Offenbach-DNA.“ Als Al-Wazir als junger Mann bei den Grünen aufgetaucht sei, hätten ihn viele unterschätzt. „Aber er hat uns professionalisiert. Er kann gut Stimmungen erspüren und im Hintergrund rumkordeln.“ Diese Eigenschaften hat sich der Sohn einer deutschen Mutter und eines jemenitischen Vaters bis heute erhalten.

Dass die schwarz-grüne Landesregierung ohne öffentliches Gezänk funktionierte, liegt sicher auch an Al-Wazir. Er ist so klug, seinem älteren Koalitionspartner Volker Bouffier (CDU) bei Auftritten meist den Vortritt und einen großen Teil der Redezeit zu überlassen.



Neben viel Sinn für Diplomatie hat Al-Wazir eine große Durchsetzungskraft. Der 47-Jährige lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Offenbach. Seine Schulzeit hat er zum Teil bei der Familie seines Vaters in Jemens Hauptstadt Sanaa verbracht. Nach zwei Jahren kehrte er zurück, studierte später Politologie in der Main-Metropole Frankfurt.

„Wenn man mit so einem Namen aufwächst, wird man oft gefragt: Wo kommst Du denn her?“, berichtet Al-Wazir aus seiner Kindheit. Er habe sich früher immer erklären müssen, das habe ihn geprägt. Dabei hätte es gut so kommen können, dass er als Fritz Knirsch durchs Leben gegangen wäre. Knirsch ist der Mädchenname seiner Mutter. Außerdem sollte der Standesbeamte eigentlich noch einen zusätzlichen deutschen Namen eintragen, damit das Geschlecht des Kindes klarer wird. Die Eltern entschieden sich dagegen. Aber auch sie trugen womöglich dazu bei, seinen späteren Berufsweg vorzuzeichnen. Seine Mutter, eine friedensbewegte Offenbacher Lehrerin, nahm ihn auch schon in jungen Jahren, damals in den 80ern, zu den Demonstrationen gegen den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen mit.