| 00:58 Uhr

Wirbel um Medienbericht
Wackeln Pläne für Ende der Zeitumstellung?

Für Jean-Claude Juncker drängt inzwischen die Zeit.
Für Jean-Claude Juncker drängt inzwischen die Zeit. FOTO: dpa / Virginia Mayo
Brüssel. In einigen Ländern gibt es offenbar Bedenken gegen den Vorschlag der EU-Kommission, die Zeitumstellung abzuschaffen.

Gut zwei Wochen vor einem möglicherweise richtungsweisenden Treffen der zuständigen EU-Minister zur Abschaffung der Zeitumstellung hat ein Bericht des Polit-Portals „Politico“ für Wirbel gesorgt. Demnach gibt es Diplomaten zufolge aus einigen Ländern Bedenken gegen den entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde hatte vorgeschlagen, ab kommendem Jahr den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit abzuschaffen. Die Staaten sollten stattdessen selbst entscheiden können, ob sie in ihren Ländern dauerhaft Sommer- oder Winterzeit haben wollten.

Die EU-Staaten und das Europaparlament müssen den Plänen jedoch mehrheitlich zustimmen, damit sie Realität werden können. In etlichen Hauptstädten laufen derzeit noch die Beratungen dazu.

Am 29. und 30. Oktober treffen sich die für das Thema zuständigen EU-Verkehrsminister. Dort könnte sich ein klareres Meinungsbild zum Thema Zeitumstellung ergeben.



Die EU-Kommission hatte die Pläne vorgelegt, nachdem Mitte August eine EU-weite Online-Umfrage ausgelaufen war, bei der sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aussprachen. Die meisten votierten für eine dauerhafte Sommerzeit. 4,6 Millionen Antworten gingen bei der EU-Kommission ein – ein Rekord, aber immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Allein drei Millionen Umfrage-Teilnehmer kamen aus Deutschland (wir berichteten).

„Die Zeitumstellung gehört abgeschafft“, hatte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Mitte September in Straßburg gesagt. „Die Zeit drängt“, sagte Juncker in seiner Rede zur Lage der Union im Straßburger EU-Parlament. Er rief dazu auf, diese Entscheidung so zu treffen, dass für den europäischen Binnenmarkt keine Probleme entstehen. Die EU-Kommission werde deshalb Gespräche zwischen den einzelnen Ländern fördern.

Wenn künftig in Deutschland die ewige Sommerzeit gelten sollte, ginge beispielsweise am 1. Januar 2019 die Sonne in Frankfurt/Main morgens erst um 9.24 Uhr auf, aber auch erst gegen 17.30 Uhr unter. Wenn eine dauerhafte Winterzeit eingeführt werden würde, hätte das umgekehrt Folgen für die langen Sommerabende: Am 1. Juli 2019 würde die Sonne in Frankfurt statt um 21.37 Uhr nun schon um 20.37 Uhr untergehen. Dafür würde sie bereits um 4.20 Uhr aufgehen.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht dieselbe Zeit. Acht Länder – unter ihnen Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland und Zypern – sind eine Stunde voraus. Drei Staaten sind eine Stunde zurück – nämlich Irland, Portugal und Großbritannien.

Aus dem Europaparlament kam bereits Unterstützung für den Vorstoß. Litauen, Estland, Lettland und Finnland sprachen sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte Wohlwollen für ein Ende der Zeitumstellung.

(dpa)