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Neue Heimprüfungen geplant
Pflege-Tüv soll konkreter und realistischer werden

Berlin. Die Entscheidung fällt oft schwer — welches Pflegeheim passt am besten? Der Pflege-Tüv hilft dabei wenig weiter. Damit soll Schluss sein.

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen bald aussagekräftige Bewertungen von Heimen bekommen. Das sehen Empfehlungen für einen neuen Pflege-Tüv vor, die Wissenschaftler im Auftrag des Gesetzgebers vorgelegt haben. Damit soll die tatsächliche Situation in den Einrichtungen erstmals realistisch erfasst und für alle verständlich dargestellt werden. Abgelöst werden sollen die umstrittenen Pflegenoten, die generell so positiv ausfallen, dass kaum Vergleiche möglich sind. Die Heime sollen voraussichtlich ab Herbst 2019 mit dem neuen Pflege-Tüv arbeiten, wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums gestern mitteilte.

„Wir werden zu realistischen Qualitätsbewertungen kommen“, sagte der Bielefelder Pflegewissenschaftler Klaus Wingenfeld der Deutschen Presse-Agentur. Wingenfeld leitete das Projekt für den neuen Pflege-Tüv. Laut dem Gutachten der Gruppe um Wingenfeld soll der „Blick auf die tatsächliche Lebens- und Versorgungssituation“ Vorrang vor der Beurteilung von Aufzeichnungen bekommen.

Die bisherigen Heim-Bewertungen kranken vor allem daran, dass sie sich schwerpunktmäßig auf die Dokumentation der Heime stützen – also das Festhalten der Pflege-Arbeit in Unterlagen. Zentraler Kritikpunkt an den online abrufbaren Benotungen ist zudem ihre mangelnde Aussagekraft. So erzielten im Oktober Pflegeheime eine bundesweite Durchschnittsnote von 1,2. Von Land zu Land variierten die Noten zwischen 1,1 und 1,4. „Ein Tüv, bei dem heute fast jedes Heim ein Sehr-gut bekommt, verdient seinen Namen nicht“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kürzlich der Funke-Mediengruppe.



Bereits 2015 hatte der Gesetzgeber die Pflegeeinrichtungen, -kassen und Kommunen beauftragt, bis März 2017 ein neues Prüfverfahren zu entwickeln. Aber es gab immer w}ieder Verzögerungen.

Künftig soll konkret geschaut werden, wie gut die Pflege wirklich ist – zum Beispiel beim Erhalt von Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag oder beim Vermeiden schwerer Stürze. Ergebnisse dazu sollen Heime für alle Bewohner erfassen. Experten des Medizinischen Dienstes der Kassen sollen sich zudem durch Prüfungen in den Heimen ein Bild von jeweils bis zu neun Bewohnern machen. An erster Stelle soll laut Gutachten stehen, ob Bewohner den „Bedürfnissen entsprechend Unterstützung“ erhalten – nicht ob Konzepte der Heime sich eignen und wie diese organisiert sind.

Anstelle der Pflegenoten schlagen die Wissenschaftler ein völlig neues Bewertungssystem für die externe Prüfung vor. Ergebnisse der Heimprüfungen sollen für 18 verschiedene Themen dargestellt werden. Darunter sind etwa die Unterstützung im Notfall oder ein Anwenden der vielfach kritisierten freiheitsentziehenden Maßnahmen – etwa Fixierung mit Gurten. Auch dargestellt werden soll, wie die Heime bei den von ihnen selbst systematisch erfassten Bereichen abschneiden.

(dpa)