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Chinas Sozialpunktesystem
Peking lässt frösteln

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das chinesische Sozialpunktesystem erscheint uns wie das Ergebnis eines Workshops, in dem sich Autoren wie Aldous Huxley und George Orwell zusammengetan haben, um ihre negativen Utopien auf die Spitze zu treiben. Von Ulrich Brenner

Doch im China des Jahres 2018 wird kein Science-Fiction-Roman geschrieben – die Entwicklung zum totalen Überwachungsstaat mit Zwang zur gesellschaftlichen Konformität ist eine Realität für rund 1,4 Milliarden Menschen. Und die Möglichkeiten der absoluten Kontrolle und der totalen Entblößung werden im Internet-Zeitalter mit Gesichtserkennung und der schier unbegrenzten Verknüpfung von Daten immer größer.

Diese technischen Möglichkeiten bestehen allerdings weltweit, und das Private, das Recht auf Nonkonformität, das Recht auf Vergessen von Fehlverhalten ist überall in Gefahr, wo Menschen sich heute im Internet bewegen. Ihr Leumund interessiert Banken, Vermieter, Arbeitgeber. Umso wichtiger ist daher ein Staat, der den Menschen hier Schutz bietet, anstatt die Überwachung auch noch anzuordnen. Dass Letzteres in China in einem System stattfindet, das sich – getragen vom neuen Weltmachtstatus – immer stärker als Modell für andere Länder empfiehlt, lässt frösteln.