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OECD-Studie: Betreuungsgeld hemmt Integration

Berlin. Eine neue OECD-Studie gibt den Gegnern des von der Bundesregierung geplanten Betreuungsgeldes Rückenwind. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisiert in der gestern vorgelegten Untersuchung, dass die Leistung gerade Zuwanderinnen vom Arbeitsmarkt fernhalte

Berlin. Eine neue OECD-Studie gibt den Gegnern des von der Bundesregierung geplanten Betreuungsgeldes Rückenwind. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kritisiert in der gestern vorgelegten Untersuchung, dass die Leistung gerade Zuwanderinnen vom Arbeitsmarkt fernhalte. Die OECD-Experten heben zudem die positiven Effekte eines Kindergarten-Besuches für Migrantenkinder hervor.Die Studie "Jobs for Immigrants" (Arbeitsplätze für Zuwanderer) befasst sich mit der Situation von Migranten in Österreich, der Schweiz und Norwegen. Das Betreuungsgeld wird darin deshalb behandelt, da eine solche Leistung seit Jahren in Norwegen gezahlt wird. Dort bekommen Familien, die ihre Kinder im Alter von ein bis drei Jahren nicht einen Kindergarten schicken, monatlich eine finanzielle Unterstützung. Der Studie zufolge könnte diese Subvention das Arbeitskräfteangebot an Migrantinnen um 15 Prozent gesenkt haben. Die OECD-Experten sehen gerade für Migrantenkinder Vorteile durch den Besuch eines Kindergartens. Es gebe wachsende Anhaltspunkte dafür, das die Teilnahme an frühkindlicher Bildung und Betreuung ab drei Jahren einen starken Einfluss auf die Bildungskarriere der Kinder von gering ausgebildeten Zuwanderern habe, heißt es.

Die Bundesregierung äußerte Zweifel daran, dass die Studie auf Deutschland übertragen werden kann. Die Studie komme anhand des Betreuungsgeldes in Norwegen zu dem Ergebnis, dass dieses für Kinder ab drei Jahren nicht zu empfehlen sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung plane dagegen ein Betreuungsgeld für Ein- und Zweijährige. Die Oppositionsparteien sehen sich durch die OECD-Studie in ihrer Kritik bestärkt. "Das Betreuungsgeld ist bildungspolitisch unverantwortlich und der absolut falsche Weg, um Kinder in Deutschland unabhängig von ihrer Herkunft von Anfang an zu fördern", erklärte SPD-Vize Manuela Schwesig. > Seite 6: Bericht afp