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Saarbrücken
Ein Königspaar verzaubert das Saarland

„Vom Rohstahl zum Roboter“: So beschrieb der niederländische König Willem-Alexander gestern in seiner Rede das Saarland. Gemeinsam mit seiner Gattin Máxima bestaunte er in der Aula der Saar-Uni einen Roboter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Rechts daneben: DFKI-Chef Wolfgang Wahlster.
„Vom Rohstahl zum Roboter“: So beschrieb der niederländische König Willem-Alexander gestern in seiner Rede das Saarland. Gemeinsam mit seiner Gattin Máxima bestaunte er in der Aula der Saar-Uni einen Roboter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Rechts daneben: DFKI-Chef Wolfgang Wahlster. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Saarbrücken. Vor 104 Jahren war zum letzten Mal ein König an der Saar zu Gast. Gestern war es wieder so weit: Die niederländischen Royals Willem-Alexander und Máxima schüttelten Hände und rührten Herzen – und das im Herzen von Saarbrücken. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Ein historischer Tag, und dann ist doch alles wie immer am Saarbrücker Schlossplatz? Plaudereien, wenige Passanten, kaum Polizeipräsenz. Nicht ganz. Oranje-Hütchen wie gestern sieht man in Saarbrücken eher selten, auch haben sich unzählige Fenster geöffnet, und im Eingangsportal zeigt sich bereits von weitem eine Silhouette in Königsblau: Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). Ein Outfit mit Wow-Effekt, auch dank pompöser Amtskette

Diejenigen, die an diesem Donnerstag unterwegs sind, outen sich in großer Zahl als Royals-Experten, sprechen über Máximas „Hutgesicht“ oder schwenken selbstgebastelte niederländische Fahnen. Willi Ros, die seit 32 Jahren im Saarland wohnt, ist, obwohl Niederländerin, ohne Holland-Devotionalien da. „Die Holländer und die Könige, das gehört zusammen“, sagt sie in die Kamera des holländischen Senders „Blauw Bloed“ – Blaues Blut.

Viele der rund 300 Wartenden vor der Staatskanzlei, wo der Besuch gegen 11.30 Uhr startete, werden belohnt. Mit Händeschütteln, sogar mit kurzen Unterhaltungen. Denn König Willem-Alexander (51) verlässt sehr bald mit den Worten „Ich will kurz Hallo sagen“ das Gastgeberpaar auf dem roten Teppich, Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Frau Tanja.



Folgt Willem einem Impuls? Nein, selbst Zeit für natürliches Verhalten wird vom Protokoll eingeplant. Insbesondere deshalb, weil sich das Paar für seinen Saarland-Besuch aus­drücklich Bürgernähe wünschte. Es gilt generell als das wohl unkomplizierteste aller Royals-Paare. Selbst das pflichtschuldige Winken in die Menge wirkt bei Willem-Alexander und Máxima „echt“ erfreut: Die Wartenden antworten mit natürlicher Freude und bei den Kurz-Kontakten in einem Tonfall, als begrüße man den König zu Hause. „Ihr Vater war ja Deutscher“, heißt es von einer älteren Dame. Die Jüngeren zischen teils bewundernd, teils enttäuscht, als Máxima aussteigt. Nicht nur wegen der delikaten Farb-Kombination Beige-Rot, auch wegen des Hütchens, das weniger dramatisch ausfällt als sonst. Máxima (47) gilt als Modefan, 270 ihrer Outfits sind im Internet aufrufbar. „Sie ist so schlank, sie ist so schön“, wogt es durch die Menge. Ja, sie hat live mehr zu bieten als auf Bildern. Etwa ein formvollendetes In-die-Hocke-Gehen, um sich mit der Viereinhalbjährigen, die ebenfalls Máxima heißt, auszutauschen. Das Mädchen bringt ihr einen Blumenstrauß. „Give me five“, fordert die Königin die Kleine auf. Máximas Mutter, Gertraud Franz aus Saarbrücken, schrieb an die Staatskanzlei, als sie von dem royalen Besuch hörte. Sie, die späte Mutter, erlebte die Schwangerschaft als Geschenk, und als sie im Fernsehen 2013 die Krönung von Willem und Máxima sah, suchte sie mit ihrem Mann gerade nach einem Namen für ihr Kind. Der war dann schnell gefunden.

Vor 104 Jahren war zum letzten Mal ein König im Saarland zu Gast: Kaiser Wilhelm II., König von Preußen. Und 2013 begrüßte man den Großherzog von Luxemburg. Nun bereisen König Willem-Alexander und seine Frau die deutschen Bundesländer, nach Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die sich die Hoheitlichen drei Tage seit Mittwoch fifty-fifty teilen, sind nur noch vier übrig. Bis 2020 wird das Königspaar das Arbeitsprogramm durch haben. Die holländische Außenhandelsministerin Sigrid Karg reist mit, auch ins Saarland. Kontaktpflege in Sachen digitale Industrie.

Wie gut das Image des Saarlandes in den Niederlanden ist, hörten die rund 60 Gäste aus dem Bereich Verkehrsplanung und Autoherstellung beim Mittagessen im Schloss. Schlanke, dezente Tischdeko in Weiß-Grün, in der Mitte des Festsaales nahm der Monarch mit Gattin an einer langen Ehrentafel Platz. Nur hier ergriff König Willem-Alexander offiziell das Wort. Historisch gesehen habe das Saarland dank der Stahlindustrie zu den „Pionieren“ auf dem Kontinent gehört. Nun erfinde es sich neu: „Vom Rohstahl zum Roboter“, so lasse sich die Wirtschaftsgeschichte zusammenfassen. „Es ist inspirierend, sich über Ihre großen Ambitionen auf diesem Gebiet zu informieren.“ Der König ist überzeugt, dass die Niederlande und das Saarland auf wirtschaftlichem Gebiet „viel zu bieten“ haben. „Das Saarland ist nicht sehr groß, aber es beeindruckt durch seinen Unternehmergeist und sein Fortschrittsdenken.“

Zu Beginn seiner Rede hatte Willem-Alexander überraschend persönliche Töne angeschlagen, er verwies auf die „intensiven Tage“, die Ministerpräsident Hans und seine Frau Tanja derzeit als junge Eltern durchlebten und gratulierte „von Herzen“ zur Geburt ihrer Zwillinge. Und auch das wirkte wieder „echt“ erfreut.

Fanjubel vor der Staatskanzlei: Dort begann gestern für das niederländische Königspaar der Besuch im Saarland. Empfangen haben sie der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans und seine Frau Tanja (rechts).
Fanjubel vor der Staatskanzlei: Dort begann gestern für das niederländische Königspaar der Besuch im Saarland. Empfangen haben sie der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans und seine Frau Tanja (rechts). FOTO: BeckerBredel

Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, neben Ministerpräsident Tobias Hans (links) und der Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (rechts) beim Empfang im Saarbrücker Schloss.
Das niederländische Königspaar, Willem-Alexander und Máxima, neben Ministerpräsident Tobias Hans (links) und der Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (rechts) beim Empfang im Saarbrücker Schloss. FOTO: BeckerBredel