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Maut in Lothringen
Frankreich steuert auf ein neues Mautsystem zu

In Lothringen testet der französische Autobahnbetreiber Sanef ab Januar ein neues Mautsystem.
In Lothringen testet der französische Autobahnbetreiber Sanef ab Januar ein neues Mautsystem. FOTO: Sanef
Boulay. Einfach durchfahren statt Ticket ziehen: Auf französischen Autobahnen sollen Gebühren künftig elektronisch abgewickelt werden. Bald beginnt die Testphase. Von Hélène Maillasson

Im besten Fall sind es ein paar Sekunden, die man an der Zahlstelle anhält, um in Frankreich die Mautgebühren zu bezahlen. Im schlimmsten Fall hat sich der Fahrer des ersten Autos falsch eingereiht, will doch mit Bargeld statt mit Kreditkarte zahlen. Dann müssen alle hinter ihm rückwärts fahren, bis der Barzahler ganz vorne aus der Reihe rauskommt. Was schon ein Mal im Jahr auf dem Urlaubsweg ärgerlich ist, kann Pendler, die jeden Tag über die Mautstellen fahren müssen, zur Verzweiflung bringen. Doch damit könnte bald Schluss sein. Von Januar an will die Autobahngesellschaft Sanef ein neues System testen, bei dem Autofahrer nicht mehr an der Mautstelle anhalten müssen. Als Testfeld wurde die Station im lothringischen Boulay, knapp 20Kilometer vor der Grenze zum Saarland, ausgesucht, die täglich von rund 12 000 Autofahrern passiert wird. „Wir haben diesen Standort ausgewählt, weil er von vielen Berufspendlern benutzt wird. Viele von ihnen verfügen bereits über ein Abonnement“, erklärt Alexandre Delabre von Sanef. Denn für sie ändert sich mit der Einführung des neuen Systems gar nichts, außer dass sie ein paar Sekunden Zeit gewinnen.

In Boulay werden zurzeit die Schranken abgebaut und durch eine Mautkontrollbrücke ersetzt. Diese Vorrichtung ist mit Sensoren und Kameras ausgestattet, welche die Art des Fahrzeugs ermitteln und das Kennzeichen speichern. Fahrer, die diese Strecke zwar nicht täglich, aber dennoch regelmäßig benutzen, können eine Plakette kaufen, die sie zur Sensorerfassung an die Frontscheibe kleben. Sie können nach dem Prepaid-Prinzip immer wieder Geld auf die Plakette laden. Doch auch wer keine Plakette hat, kann die Stecke fahren – und muss dafür bezahlen. „Das System speichert das Kennzeichen, und der Autobesitzer bekommt die Rechnung nach Hause geschickt“, erläutert Delabre. Wer diese nicht begleicht, kann zu einem Bußgeld gezwungen werden. Doch was ist mit ausländischen Fahrzeugen? Deutsche, die in Frankreich geblitzt werden, bekommen schon heute von den Gendarmen den Bußgeldbescheid nach Hause geschickt. Doch dürfen Privatunternehmen wie ein Autobahnbetreiber ebenfalls auf ausländische Daten wie diese zurückgreifen? Damit auch das klappt, ist Sanef dabei, bilaterale Abkommen mit verschiedenen Ländern zu verhandeln.

Im Januar soll die Testphase für das neue System in Boulay starten. „Die Mautgebühren werden dadurch nicht erhöht. Das Einzige, was sich ändert, ist, dass die Nutzer Zeit gewinnen“, versichert Sanef. Außerdem sei das System umweltfreundlicher, weil durch das fehlende Anhalten tausender Fahrzeuge weniger CO2 ausgestoßen wird. Durch diese Investition wird das Unternehmen langfristig auch einiges an Personal sparen, wenn die Mauthäuser nicht mehr rund um die Uhr besetzt werden müssen. Die Testphase soll einige Monate dauern und das System danach landesweit eingeführt werden. „Wir haben bereits ähnliche Pläne zum Beispiel in der Normandie“, sagt Sanef-Sprecher Delabre. Er geht fest davon aus, dass die neue Maut gut ankommt. Erfahrungswerte aus anderen Ländern wie England oder Kanada würden dafür sprechen.