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Nach Anschlag von Berlin: Tunesier tatverdächtig

Berlin. Rund 48 Stunden nach dem Anschlag in Berlin hat die Polizei einen tatverdächtigen Tunesier zur Fahndung ausgeschrieben. Es handelt sich um Anis Amri. Der 24-Jährige sollte zuvor abgeschoben werden, was aber nicht möglich war, da er keine gültigen Ausweispapiere hatte. dpa/afp

Der mutmaßliche Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt hat schon vor dem Anschlag im Visier der Ermittler gestanden und sollte abgeschoben werden. Gegen den Tunesier Anis Amri (24) wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt, wie NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD ) gestern mitteilte. Der Mann sei bereits im Juni 2016 als Asylbewerber abgelehnt worden. "Der Mann konnte aber nicht abgeschoben werden, weil er keine gültigen Ausweispapiere hatte", sagte Jäger. Tunesien habe zudem lange Zeit bestritten, dass es sich bei dem Mann um einen Tunesier handele. Nach Amri wird nun europaweit gefahndet.

Die Bundesanwaltschaft bat die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Suche und schrieb für Hinweise eine Belohnung von bis zu 100 000 Euro aus.



Zum Tathergang gibt es nach wie vor viele offene Fragen. Der polnische Lkw-Fahrer, der auf dem Beifahrersitz saß, hat laut "Bild"-Zeitung bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen.

Nach dem Anschlag werden noch zwölf Schwerstverletzte in den Kliniken behandelt, teilweise seien diese "in kritischer Verfassung", erklärte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit gestern. Die Zahl der Todesopfer liege nach wie vor bei zwölf.

Die Debatte um Konsequenzen aus dem Anschlag belastet indes das Verhältnis zwischen CDU und CSU . Der CDU-Vizevorsitzende Armin Laschet kritisierte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer scharf, da dieser wegen des Anschlags die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung infrage gestellt hatte. > Seiten 2 und 3: Berichte, 4: Meinung