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Mord an Schwarzen in Oklahoma verschärft Rassismus-Debatte

Washington. Die Taten sind erschütternd: In den USA werden drei Menschen auf der Straße erschossen. Wohl eher zufällig geraten gerade sie am Freitag ins Visier von Serienmördern auf einem nächtlichen Feldzug. Die Tat versetzt die Stadt Tulsa im Bundesstaat Oklahoma in Angst - ein Großaufgebot der Polizei fahndet nach den Tätern

Washington. Die Taten sind erschütternd: In den USA werden drei Menschen auf der Straße erschossen. Wohl eher zufällig geraten gerade sie am Freitag ins Visier von Serienmördern auf einem nächtlichen Feldzug. Die Tat versetzt die Stadt Tulsa im Bundesstaat Oklahoma in Angst - ein Großaufgebot der Polizei fahndet nach den Tätern. Als die Verdächtigen dann am Sonntag gefunden werden, erhält der Kriminalfall eine weitere erschreckende Dimension: Nach ersten Vermutungen könnte es sich um einen neuen Akt von Rassenhass handeln. Alle Opfer waren schwarz, die mutmaßlichen Schützen weiß.So wühlt der Fall die USA nicht nur wegen der Brutalität der Taten auf, sondern auch, weil er die aktuelle Debatte über den neuen und alten Rassismus im Land weiter anheizt. Erst vor sechs Wochen hatte der Tod des 17-jährigen Trayvon Martin einen Aufschrei ausgelöst. Der unbewaffnete schwarze Junge mit dem Kindergesicht war in Sanford in Florida von einem weißen sogenannten Nachbarschaftswächter erschossen worden.

Der Schütze blieb jedoch auf freiem Fuß, da er laut Polizei aus Notwehr gehandelt haben soll. Erst nach Protesten wurde mit Nachdruck ermittelt.

Bereits dieser Fall in Florida hatte böse Erinnerungen an eine Ära geweckt, als die Kurzformel "Weiß gegen Schwarz" das Verhältnis der Rassen in den USA beschrieb. Aber trotz aller rechtlichen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte: Überall im Land demonstrierten in den vergangenen Wochen Afroamerikaner und Bürgerrechtler jeglicher Hautfarbe gegen Ungleichbehandlung, Unterdrückung und Vorurteile in der Gesellschaft.



Einer der beiden Verdächtigen, ein 19-Jähriger, verbreitete vor den Taten mehrfach im Internet rassistische Kommentare, berichteten Medien und zeigten Bilder der nunmehr unzugänglichen Facebook-Seite. Sein Vater war vor genau zwei Jahren erschossen worden, ein Schwarzer sitzt für die Tat im Gefängnis. Kurz vor den Serienmorden beschimpfte der 19-Jährige den Verurteilten als "fucking nigger". Die Polizei äußerte sich aber noch sehr vorsichtig: Es müsse genau geprüft werden, ob von einem Hassverbrechen, einem Racheakt und gar von Rassismus gesprochen werden könne.

Sollten sich erste Vermutungen jedoch bestätigen, dürfte die Debatte über den sogenannten Post-Rassismus weiter zunehmen. So nennen Experten den Zustand in der Gesellschaft 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung. Auch nach der Wahl eines afroamerikanischen Präsidenten vor knapp vier Jahren sind die USA längst nicht über das Thema hinweg, ermittelte etwa das Wochenmagazin "Newsweek" vor wenigen Tagen in einer Umfrage. Im Gegenteil: 30 Prozent der Befragten hätten sogar angegeben, die Beziehung der Rassen habe sich seit dem Antritt von Barack Obama verschlechtert. dpa

Foto: Marovich/dpa