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Mitglied des Ethikrats ruft Ärzte zur Sterbehilfe auf

Hamburg. Der Mannheimer Jura-Professor Jochen Taupitz ruft Ärzte zur Suizidhilfe auf. "Ein Arzt darf helfen", sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" . Menschen, die schwere körperliche Leiden ertragen müssten, hätten gute Gründe, aus dem Leben zu scheiden

Hamburg. Der Mannheimer Jura-Professor Jochen Taupitz ruft Ärzte zur Suizidhilfe auf. "Ein Arzt darf helfen", sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" . Menschen, die schwere körperliche Leiden ertragen müssten, hätten gute Gründe, aus dem Leben zu scheiden. Taupitz begründet seine Position damit, dass Ärzte für diese Aufgabe besonders gut qualifiziert seien. Sie wüssten, "wie man Medikamente richtig dosiert". "Nichts ist schlimmer als ein misslungener Suizid", betonte er. Außerdem sei ein Arzt geübt darin, "Menschen auf ihre Einwilligungsfähigkeit zu überprüfen". Juristische Hürden gebe es nicht, sagte der Rechtsprofessor. "Suizid und Beihilfe zum Suizid sind nicht strafbar", sagte Taupitz. Auch im Berufsrecht gebe es "keine Regel, die dem Arzt die Suizidhilfe verbietet". In den Standesrichtlinien heiße es nur, dass Suizidhilfe unethisch sei. Darüber könne sich aber jeder Arzt problemlos hinwegsetzen. Aktive Sterbehilfe lehnt Taupitz dagegen klar ab. "Ich finde, der Patient muss unbedingt die Tatherrschaft ausüben", sagte der Jurist. Auch die Missbrauchsgefahr sei zu groß, mahnte er. In den Niederlanden komme es immer wieder zu Tötungen, ohne dass der Betroffene explizit darum gebeten habe.Bei seiner Plenarsitzung am 22. Januar hatte der Deutsche Ethikrat Tötung auf Verlangen klar verurteilt. Demgegenüber waren die 26 Mitglieder des Gremiums in der Frage der Beihilfe zum Suizid unterschiedlicher Auffassung. Einige Ratsmitglieder sprachen sich wie Taupitz dafür aus, die Suizidbeihilfe nicht nur zu enttabuisieren, sondern in die Hände von Ärzten zu legen. Andere plädierten dafür, Beihilfe zum Suizid künftig unter Strafe zu stellen. ddp/red



StichwortDer Deutsche Ethikrat ist ein durch das am 1. August 2007 in Kraft getretene Ethikratgesetz gebildeter unabhängiger Sachverständigenrat. Er besteht aus 26 Mitgliedern, die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Belange in besonderer Weise repräsentieren. Zu seinen Mitgliedern gehören Wissenschaftler und anerkannte Personen, die in herausragendem Maße mit ethischen Fragen der Lebenswissenschaften vertraut sind. red