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Mitbieter ficht Verkauf von Nürburgring an

Nürburg. Der Nürburgring ist verkauft. Doch ein unterlegener Interessent meint, nicht alles sei mit rechten Dingen zugegangen. Daher beschwert er sich bei der EU-Kommission. Die Gretchenfrage: Wann war Fristende im Bieterverfahren? den dpa-Mitarbeitern Jens Albes,Christian Schultz

Ein unterlegener Bieter für den verkauften Nürburgring hat nach eigenen Angaben eine EU-Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Das US-Konsortium Nexovation teilte am Freitag mit, sein Angebot über 150 Millionen Euro sei von den Sanierern der insolventen Rennstrecke "nicht ordnungsgemäß berücksichtigt" worden. Seine verbindliche Finanzierungszusage habe am 26. März vorgelegen. Das sei noch fristgerecht gewesen.

Die Eifel-Rennstrecke war allerdings schon am 11. März für nur 77 Millionen Euro an den Autozulieferer Capricorn gegangen. Der Düsseldorfer Mittelständler kündigte damals an, überdies bis 25 Millionen Euro in die legendäre Rennstrecke zu investieren.

Nexovation sprach nun dagegen von seinerseits geplanten Investitionen von 500 Millionen Euro sowie der Zusage, seinen europäischen Hauptsitz "aller Voraussicht nach in Mainz anzusiedeln und dadurch zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen". Ring-Sanierer Thomas B. Schmidt und Sachwalter Jens Lieser teilten mit Blick auf Nexovation der dpa mit: "Die Angaben in der Pressemeldung treffen nicht zu."

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Schmidt im Innenausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz bekräftigt, das Bieterverfahren sei ordnungsgemäß gewesen. Das "beste Angebot" von Capricorn sei schon deshalb gewählt worden, um europarechtlich nicht angreifbar zu sein. Schmidt bestätigte nicht das von Nexovation genannte exakte Datum 31. März als Fristende im Bieterverfahren. Die Sanierer hatten immer nur vom "ersten Quartal" dieses Jahres gesprochen, um mit neuer Planungssicherheit in die neue Saison starten zu können.

Auch am Freitag hieß es von Schmidt und Lieser, die Suche nach Investoren sei ordnungsgemäß gelaufen. Man nehme den Schritt von Nexovation zur Kenntnis, zu Details des Bieterverfahrens äußere man sich aus Gründen der Vertraulichkeit nicht.

Am Ring hatte die frühere SPD-Alleinregierung für 330 Millionen Euro einen zu großen Freizeitpark bauen lassen. > Seite 3: Bericht