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Missbrauch: Bischof entlässt Pfarrer

 Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat erstmals einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs entlassen. Foto: Tittel/dpa
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat erstmals einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs entlassen. Foto: Tittel/dpa
Trier. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat erstmals einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen aus dem Klerikerstand entlassen. Ackermann verhängte damit gegen den heute 72-jährigen Theologie-Professor die kirchliche Höchststrafe

Trier. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat erstmals einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen aus dem Klerikerstand entlassen. Ackermann verhängte damit gegen den heute 72-jährigen Theologie-Professor die kirchliche Höchststrafe. Der Mann, der aus Sulzbach stammt und von 1979 bis 1989 Direktor des Katholischen Bibelwerks in Stuttgart war, hatte zwischen 1966 und 1980 fünf Jungen missbraucht, unter anderem in Illingen und Sulzbach-Hühnerfeld. Ackermann bat die Opfer um Entschuldigung. Benedikt Maria Trappen, der als Neffe des Priesters selbst zu dessen Opfern gehörte, sagte unserer Zeitung, ihn erfülle die überraschende Nachricht mit "großer Freude und Genugtuung". Das Bistum hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2010 durch Opfer von den Vorwürfen erfahren. Nach einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung und einem Strafverfahren schlug Ackermann Rom vor, den Priester zu entlassen. Dem stimmte der Vatikan zu. Dagegen kann der Priester noch Berufung einlegen.Die Initiative MissBiT, in der sich Opfer und Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Kirchenangehörige organisiert haben, kritisierte die 23-monatige Dauer des kirchenrechtlichen Verfahrens. Selbst in diesem Fall, in dem der Missbrauch "gut bewiesen" gewesen sei, sei es nicht zu einer raschen Bestrafung nach Aufdeckung der Taten gekommen. Anders als die katholischen US-Bischöfe, die vom Vatikan die Erlaubnis eingeholt hätten, auch ohne dessen Zustimmung Missbrauchstäter in der Kirche zu verfolgen und die Verjährung aufzuheben, hätten die deutschen Bischöfe einen solchen Antrag nicht beim Vatikan gestellt. Da im Vatikan nur "sechs, sieben Leute" über solche Fälle zu befinden hätten, dauere das so lange. nof