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Kampf um den Parteivorsitz
Merz, AKK oder Spahn — Wer wird der neue Kopf der CDU?

Ein Rednerpult im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. Wer hier nach dem 8. Dezember als CDU-Parteichef spricht, ist noch offen.
Ein Rednerpult im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. Wer hier nach dem 8. Dezember als CDU-Parteichef spricht, ist noch offen. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Den idealen Kandidaten gibt es nicht unter den drei aussichtsreichsten Bewerbern. Wer Parteichef wird, hängt also von den Auswahlkriterien ab. Von Werner Kolhoff

Drei Bewerber, das bedeutet drei Charaktere, drei Richtungen, drei Altersgruppen. Und zwei Geschlechter. Wie soll die CDU da entscheiden? Es kommt wie bei jeder Personalauswahl auf die Kriterien an, die man anlegt. Und dann natürlich auf die Aufgabenbeschreibung.

Idealerweise ist der/die neue Parteivorsitzende so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau. Der Auserwählte soll die Partei integrieren, neue inhaltliche Akzente setzen und bei den Wählern ankommen. Deutschland regieren, auch das muss er können. Es besteht nämlich eine hohe Chance, dass der Betreffende Kanzler wird – und eine wahrscheinlich komplizierte Dreierkoalition, etwa Jamaika, führen muss. Allerdings könnte man Parteivorsitz und Spitzenkandidatur auch trennen, dann gewichten sich die Kriterien etwas anders.

Keiner der drei Bewerber verkörpert dieses Idealbild. Das tat Angela Merkel freilich auch nicht, bevor sie 2005 Kanzlerin wurde und es viele erfolgreiche Jahre blieb. Die 1000 Delegierten des CDU-Bundesparteitages haben am 8. Dezember in der Hansestadt Hamburg Stärken und Schwächen abzuwägen.



Friedrich Merz: Er steht am ehesten für frischen Wind und Aufbruchstimmung. Weil er – gefühlt – von außen kommt. Dass er gefrustet vom verlorenen Machtkampf gegen Merkel vor 14 Jahren aus der Politik ausstieg, wird nun zu seinem Vorteil. Allerdings: Merz‘ Zeit in der Wirtschaft, inklusive Banken, die in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt waren, könnte noch zur Belastung werden. Das ist ein Risiko. Im Moment begeistert der 62-Jährige aber konservativ-bürgerliche Wähler. Er hat zwar ein wirtschaftsliberales Profil, gibt sich aber inhaltlich vage, auch in der Flüchtlingsfrage. Er macht sich so geschickt zu einer Projektionsfläche. Um ihn könnte ein ähnlicher Hype entstehen wie im letzten Jahr bei der SPD um Martin Schulz. Der kann allerdings auch schnell enden. Fraglich ist, ob der sehr kantige Merz als Kanzler eine schwierige Dreierkoalition moderieren könnte, womöglich mit den Grünen. Merz kann Wahlkampf – aber auch Kanzler? Dass er einem anderen, etwa Armin Laschet, die Kanzlerkandidatur überlässt, ist schwer vorstellbar. Wer ihn jetzt wählt, übergibt ihm die Macht in der CDU ganz.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Eine Frau, erfahren und 56 Jahre jung. Das sind drei große Pluspunkte. Sie ist unideologisch, ausgleichend und auf Konsens bedacht. Eine größere Kurskorrektur wird es mit ihr sicher nicht geben, auch nicht in der Flüchtlingsfrage. Sie könnte jede Koalition führen. Und ist da vielleicht sogar entscheidungsstärker als die amtierende Kanzlerin, wie sie im Saarland bewiesen hat, als sie als Ministerpräsidentin im Jahr 2012 die Jamaika-Koalition platzen ließ, weil ihr die FDP zu unzuverlässig war. Sie scheute das Risiko von Neuwahlen nicht, so wie sie auch nicht das Risiko scheute, CDU-Generalsekretärin zu werden, ohne Rückkehrmöglichkeit. Ihr Manko: Sie ist zu sehr wie Merkel. Etliche Unionswähler, erst recht die, die schon abgewandert sind zur AfD, wollen einen neuen Stil und einen neuen Ton an der Spitze. Das große Aufbruchsignal bliebe aus. AKK kann Kanzlerin – aber auch Wahlkampf? Vielleicht wäre sie geeignet bei einer Trennung von Parteivorsitz und Spitzenkandidatur.

Jens Spahn: Er ist bei allen Kriterien der schwächste der drei Kandidaten. Innerparteilich hat er kaum Rückhalt, außer vielleicht beim Parteinachwuchs. Schließlich ist er erst 38 Jahre. Sein jugendliches Alter ist das wichtigste Argument für Spahn. Und dass er von allen Bewerben am lautesten einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik fordert. Aber reicht das schon, um eine so große Volkspartei zu führen? Sonderlich populär bei den Wählern ist Spahn ebenfalls nicht. Im Moment bringt er deutlich mehr Selbstbewusstsein mit, als sich aus seiner Erfahrung und seinem Charisma begründen lässt.