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Merkel: Islam gehört zu Deutschland

Berlin. Kanzlerin Merkel ist der Meinung: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Das finden auch zehntausende Demonstranten, die gestern bundesweit gegen Pegida auf die Straßen gingen. Derweil protestierten in Dresden mindestens 25 000 Anhänger der islamfeindlichen Bewegung. afp/dpa/red

Nach den islamistischen Gewalttaten in Paris haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ) und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu gemeinsam vor Ressentiments gegen Muslime gewarnt. Deutschland wolle ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen, sagte Merkel gestern bei einem Treffen mit Davutoglu im Berliner Kanzleramt. Der türkische Regierungschef drang darauf, nicht nur islamistische Gewalt, sondern auch Islamophobie entschieden zu verurteilen.

Unter Verweis auf eine Äußerung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU ) sagte Merkel: "Der Islam gehört zu Deutschland - und das ist so, dieser Meinung bin ich auch." Es gebe aber sicherlich die "Notwendigkeit, den Dialog zwischen den Religionen noch zu verstärken, es gibt viel Unkenntnis". "Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen, das schließt alle hier dauerhaft Lebenden mit ein", betonte Merkel. Sie sei überdies "dankbar", dass die Muslime in Deutschland "die Trennlinie ganz klar ziehen" und Gewaltanwendung deutlich verurteilten. Merkel würdigte die Türkei als Partner im Kampf gegen islamistischen Terror. Mutmaßungen über einen Zusammenhang zwischen dem Widerstand gegen einen EU-Beitritt der Türkei und den islamistischen Angriffen in Frankreich wies sie jedoch zurück. Unter dem Eindruck der islamistischen Anschläge in Frankreich sind gestern Abend in mehreren deutschen Städten tausende Anhänger und Gegner der islamfeindlichen Pegida-Bewegung auf die Straße gegangen. Das Zentrum der Pegida-Bewegung war erneut Dresden . Hier gingen mindestens 25 000 Menschen auf die Straße.

Im Gegenzug formierten sich bundesweit mehrere Anti-Pegida-Demonstrationen. In Saarbrücken plädierten 9000 Bürger für Weltoffenheit, in Mainz waren es rund 1500 Bürger. Die größten Protestzüge gegen Pegida gab es gestern Abend in Leipzig mit 30 000 Teilnehmern; in München nahmen 20 000 Menschen an einer Demo unter dem Motto "München ist bunt" teil. > Seite 2: Berichte und Meinung