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Merkel bekommt bei Wiederwahl einen Dämpfer

Essen. Die CDU-Vorsitzende bittet ihre Partei eindringlich um Hilfe für das schwierige Wahljahr 2017. Doch etliche Parteitags-Delegierte machen ihrem Unmut über den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel Luft. Agentur

Kanzlerin Angela Merkel ist mit einem Dämpfer ihrer eigenen Partei in den Bundestagswahlkampf 2017 gestartet. Bei ihrer neunten Wahl zur CDU-Chefin erhielt sie gestern auf dem Parteitag in Essen nach Parteiangaben 89,5 Prozent der Stimmen. Merkel bekam 845 Ja-Stimmen und 99 Delegierte votierten mit Nein. Das ist ihr schlechtestes Ergebnis während ihrer Kanzlerschaft und ihr zweitschlechtestes Resultat überhaupt. 2004 kam sie auf 88,4 Prozent. Gleichwohl sagte Merkel: "Liebe Delegierte, ich nehme die Wahl an und freue mich über das Ergebnis. Herzlichen Dank für das Vertrauen." Das Ergebnis dürfte auch eine Quittung für Merkels Flüchtlingspolitik und mehrere verlorene Landtagswahlen mit einer Stärkung der AfD sein.

Die Vorsitzende hatte die rund 1000 Delegierten zuvor mit einer am Ende emotionalen Rede auf einen harten Wahlkampf eingestimmt und um Unterstützung gebeten. "Ihr müsst, Ihr müsst mir helfen", bat die 62-Jährige. "Die Bundestagswahl wird schwierig wie keine Wahl zuvor, zumindest seit der Einheit. Sie wird wahrlich kein Zuckerschlecken." Der Parteitag feierte Merkel nach der Rede über elf Minuten lang stehend mit rhythmischem Applaus.

Auch Julia Klöckner als eine von fünf stellvertretenden Vorsitzenden wurde wiedergewählt. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin bekam erneut das beste Ergebnis mit 86,2 Prozent. Vor zwei Jahren beim CDU-Parteitag in Köln lag sie unter den Vize-Parteichefs ebenfalls vorn - allerdings mit 96,5 Prozent.



Besonders viel Beifall der Delegierten bekam die CDU-Vorsitzende für ihre Forderung nach einem Burka-Verbot, wo immer das rechtlich möglich sei. "Bei uns heißt es: Gesicht zeigen, deswegen ist die Vollverschleierung nicht angebracht", sagte die Kanzlerin. Die CDU will die Burka - die Vollverschleierung - etwa vor Gericht, bei Polizeikontrollen und im Straßenverkehr verbieten. Neuigkeiten in Sachen Flüchtlingspolitik brachte Merkel nicht mit, sie bekräftigte nur: "Eine Situation wie die des Spätsommers 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen. Das war und ist unser und mein politisches Ziel." > Seite 4: Bericht, Meinung