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Mehrere tausend Deutsche nutzen Scheinfirmen

Panama-Stadt/Berlin. Nach den Enthüllungen über Briefkastenfirmen haben in mehreren Staaten Untersuchungen begonnen. Auch aus Deutschland sollen Steueroasen genutzt worden sein. Ob die Finanzgeschäfte Recht und Gesetz verletzt haben, ist noch unklar. Agentur

Mehrere tausend Deutsche sollen nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" Briefkastenfirmen einer Anwaltskanzlei in Panama genutzt haben. "Als Vermittler traten dabei nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Banken auf", berichtete gestern die Zeitung unter Berufung auf die am Sonntag bekannt gewordenen "Panama Papers". Die Recherchen von rund 400 Journalisten aus rund 80 Staaten dazu basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca.

Nach den Enthüllung zu Briefkastenfirmen von Politikern und Sportstars leiteten Behörden in mehreren Staaten Untersuchungen ein. Russland reagiert wütend auf Informationen aus den "Panama Papers" über angebliche verborgene Milliarden im Umfeld von Präsident Wladimir Putin.

Mindestens 28 deutsche Banken sollen in den vergangenen Jahren die Dienste dieser Kanzlei genutzt haben. Insgesamt hätten allein die deutschen Banken bei dem Offshore-Dienstleister mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder diese für ihre Kunden verwaltet. Gut 500 Banken hätten den Dokumenten zufolge in den vergangenen Jahren mithilfe der Kanzlei mehr als 15 600 Briefkastenfirmen an ihre Kunden vermittelt. Unklar blieb einen Tag nach der ersten Veröffentlichung am vergangenen Sonntag, ob die mit einem Datenleck bekanntgewordenen Geschäftstätigkeiten unrechtmäßig sind.

Politiker in Europa forderten nach den Enthüllungen eine härteres Vorgehen gegen Steuerflucht und Geldwäsche. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD ) will mit einem "Transparenzregister" für Briefkastenfirmen auf die Enthüllungen reagieren. "Die Heimlichtuerei muss ein Ende haben", sagte Maas der "Süddeutschen Zeitung", dem NDR und dem WDR. Der Minister sieht darin einen wichtigen Bestandteil im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung. Um Briefkastenfirmen aus der Anonymität zu holen, will der Justizminister das deutsche Geldwäschegesetz ergänzen. > Seite 2: Berichte, Interview, Seite 4: Meinung