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Österreich hat es vorgemacht
Mediziner fordern Rauchverbot bei Autofahrten mit Kindern

„Kinder haben ein Recht, vor den massiven Gesundheitsgefahren des Passivrauchens geschützt zu werden“, fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ein Rauchverbot beim Autofahren mit Kindern auch in Deutschland.
„Kinder haben ein Recht, vor den massiven Gesundheitsgefahren des Passivrauchens geschützt zu werden“, fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ein Rauchverbot beim Autofahren mit Kindern auch in Deutschland. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Köln/Berlin. Auch Bundestagsabgeordnete setzen sich dafür ein, die Straßenverkehrsordnung zu ändern.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert ein Rauchverbot in Autos, wenn Kinder mitfahren. „Österreich macht es vor, jetzt muss ein gesetzliches Verbot auch in Deutschland kommen“, sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach jetzt in Köln.

Ab Mai muss in der Alpenrepublik mit bis zu 1000 Euro Geldbuße rechnen, wer in Gegenwart von Minderjährigen im Wagen raucht. Die Liste allein der europäischen Länder, die solche oder ähnliche Regelungen haben, wird damit immer länger: Frankreich, Griechenland, Zypern, England, Wales, Schottland, Irland. Und Italien, wo man sogar mit 5000 Euro bestraft werden kann, wenn Schwangere oder Säuglinge dem Qualm ausgesetzt sind. In Deutschland jedoch herrscht bisher die Meinung vor, es handele sich beim Auto um einen privaten Raum, in dem jeder tun und lassen kann, was er will.

„Kinder haben ein Recht, vor den massiven Gesundheitsgefahren des Passivrauchens geschützt zu werden“, sagte Fischbach. Messungen des Deutschen Krebsforschungsinstituts zufolge sei die Giftstoffbelastung durch Rauchen im Auto extrem hoch – selbst bei leicht geöffnetem Fenster. Fischbach warnte vor den gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche: Dem Tabakrauch ausgesetzte Kleinkinder hätten gegenüber unbelasteten Kindern ein um 50 bis 100 Prozent erhöhtes Risiko, an Asthma, Bronchitis oder einer Lungenentzündung zu erkranken. Darüber hinaus könne Passivrauchen zu verringertem Geruchssinn führen, Herz und Kreislauf belasten.



Echte Gesetzesvorstöße hat es im Bundestag dennoch bisher nicht gegeben. Es mehren sich nach der österreichischen Entscheidung aber die Stimmen, nun auch in Deutschland in Sachen Rauchverbot am Steuer neu nachzudenken. So will der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding in sechs Wochen wieder fraktionsübergreifend nichtrauchende Abgeordnete und Nichtraucherinitiativen zum „Nichtraucher-Frühstück“ in den Bundestag einladen. Dort soll über einen neuen Vorstoß in der Straßenverkehrsordnung beraten werden. Binding sagte unserer Redaktion: „Viele Leute brauchen offenbar ordnungspolitische Vorgaben, damit sie ihre eigenen Kinder schützen.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke, ein Arzt aus Aachen, würde das unterstützen. Zwar zeigten die meisten Raucher sich ihrer Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen bewusst und verzichteten auf die Zigarette im Auto, aber manche ignorierten die Gefährdung des Kindeswohls und das schwerwiegende Risiko für die Gesundheit, so Henke.

(epd)