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Maduro gegen Guaidó
Massendemonstrationen im Ringen um die Macht in Venezuela

 Ein Fahnenmeer in gelb-blau-rot: In Venezuelas Hauptstadt Caracas gab es Massendemos für Staatschef Maduro und Oppositionsführer Guaidó.
Ein Fahnenmeer in gelb-blau-rot: In Venezuelas Hauptstadt Caracas gab es Massendemos für Staatschef Maduro und Oppositionsführer Guaidó. FOTO: dpa / Rayner Peña R
Caracas. Die einen sind für Staatschef Maduro, die anderen für den selbsternannten Interimspräsidenten Guaidó: In Caracas gingen Hunderttausende auf die Straße. Von Juan Garff, Klaus Blume und Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Mit zwei Großkundgebungen in der Hauptstadt Caracas haben Regierung und Opposition in Venezuela am Wochenende ihren Machtanspruch untermauert. „Wir bleiben auf den Straßen, bis es Freiheit, eine Übergangsregierung und Neuwahlen gibt“, sagte der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó unter dem Jubel der Menge. Der umstrittene Staatschef Nicolás Maduro bot erneut eine Neuwahl an – aber die des von der Opposition dominierten Parlaments und nicht des Präsidenten, wie es Guaidó und auch mehrere europäische Länder sowie die USA fordern.

Venezuela befindet sich seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Obwohl das Land über die größten bekannten Erdölreserven weltweit verfügt, fehlen Lebensmittel und Medikamente, Hyperinflation macht Bargeld faktisch wertlos. Etwa drei Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflüchtet.

Über Stunden waren Teile der Hauptstadt am Samstag in ein Meer gelb-blau-roter Fahnen getaucht. Hunderttausende dürften auf den Straßen gewesen sein. Maduro sprach aus Anlass des 20. Jahrestages des Amtsantritts seines Mentors und Amtsvorgängers Hugo Chávez, der das erdölreiche Land im Sinne eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ umbauen wollte.



Guaidó, Präsident des von der Opposition kontrollierten, aber von Maduro entmachteten Parlaments, hatte sich am 23. Januar zum Übergangsstaatschef erklärt. Er argumentiert, Maduros Wiederwahl im vergangenen Jahr habe demokratischen Standards nicht genügt. Dieser Meinung sind auch die deutsche und andere Regierungen Europas.

Am gestrigen Sonntag lief ein Ultimatum ab, wonach Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande und Belgien Guaidó als legitimen Übergangsstaatschef anerkennen würden, falls Maduro keine freie Präsidentenwahl ausruft. Die USA sowie mehrere Länder Lateinamerikas und weltweit haben Guaidó bereits anerkannt. Hinter Maduro stehen unter anderem Russland, China und die Türkei. Innenpolitisch stützt er sich vor allem auf das Militär. Die USA forderten die Militärführung auf, Maduro endlich die Gefolgschaft aufzukündigen.

Maduro warnte indes vor der Gefahr eines Bürgerkriegs. „Alles hängt vom Grad der Verrücktheit und der Aggressivität des Imperiums des Nordens (USA) und von dessen westlichen Verbündeten ab“, sagte er in einem Interview des spanischen Fernsehsenders La Sexta.

Auch im Ausland fanden am Wochenende Kundgebungen für Oppositionsführer Guaidó statt, unter anderem in Spanien, wo rund 400 000 Venezolaner leben.