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Abgeordneter Helmut Markwort
Der 81-Jährige, der den Freistaat erfrischen will – mit „Fakten“

Früher „Focus“-Chefredakteur, jetzt Abgeordneter im Bayern-Landtag: Helmut Markwort, FPD.
Früher „Focus“-Chefredakteur, jetzt Abgeordneter im Bayern-Landtag: Helmut Markwort, FPD. FOTO: dpa / Matthias Balk
München. Große Auftritte hatte Helmut Markwort schon als „Focus“-Chef und TV-Moderator. Jetzt steht wieder einer an: als Alterspräsident des Bayern-Landtags. Von Ralf Müller

Mit den Slogans „Frisches Bayern“ und „Politik mit Neuwagengeruch“ kämpfte die FDP im bayerischen Landtagswahlkampf für den Wiedereinzug ins Parlament. Dass jetzt einer der neuen FDP-Abgeordneten als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des Landtags eröffnen wird, sorgt bei den anderen Parteien daher für Spott. Dem frischgebackenen Parlamentarier Helmut Markwort (81) dürfte das egal sein, weil er sich frischer fühlt als so mancher politische Jungspund mit konservativer Stromlinienfigur.

Bekannt geworden ist der gebürtige Darmstädter Markwort vor allem durch die Gründung des Magazins „Focus“ und seine Moderatorenrolle in der Talk-Sendung „Stammtisch“ des Bayerischen Fernsehens. Mit „Fakten, Fakten, Fakten – und an die Leser denken“, hämmerte er sich einem Millionen-Fernsehpublikum als „Focus“-Chefredakteur von 1993 bis 2010 ein. Mit diesen Funktionen sind die Aktivitäten des langjährigen FDP-Parteigängers aber nur unzureichend beschrieben. „Langweilig war es nie“ hat sich Markwort angeblich schon als Grabinschrift ausgesucht. Doch bis dahin will er noch viel machen, unter anderem Politik. „Ich würde gerne noch mehr leben, mit noch weniger Schlaf auskommen, um noch mehr Anteil zu nehmen an allem“, sagte er mal.

Als er im vergangenen Mai seinen Hut als Kandidat für die Landtagswahl in den Ring warf, waren einige Parteifreunde gar nicht begeistert. Der populäre Unruheständler, so fürchteten Mitbewerber, könnte trotz seines ungünstigen Platzes 16 auf der Oberbayern-Liste einen anderen Liberalen aus dem Rennen werfen, weil er nach vorne gewählt würde. Genauso kam es, aber die Bayern-FDP hat allen Grund, ihrem illustren Senior dankbar zu sein, denn ohne Markwort wäre sie womöglich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Nur im Wahlkreis Oberbayern lagen die Liberalen mit 6,4 Prozent über der Marke, landesweit errangen sie am Ende 5,1 Prozent.



Markwort wird für die Eröffnungsrede im Hohen Haus des Freistaats und für die dann folgende mühsame Oppositionsarbeit Termine freischaufeln müssen, denn er hat einiges zu tun. Zum Beispiel Theaterspielen. Im Musical „Gutenberg“, das am 8. Januar Premiere hat. Er werde seinen Kollegen sagen müssen, dass er am Tag der konstituierenden Sitzung am 5. November nicht proben kann, hat sich Markwort schon vorgemerkt. Einen Hang zur Schauspielerei hatte Markwort schon immer. Vor der Wahl irritierte er das Bayerische Fernsehen, weil er eine Komparsenrolle in der Vorabendserie „Hubert ohne Staller“ zu Gunsten der Parteikasse versteigern wollte. Seine Moderatorenrolle beim „Stammtisch“ hatte er mit der Landtagskandidatur sowieso abgeben müssen. „Ich bin überzeugt, dass Politiker auch Schauspieler sind und sein müssen“, sagte der neue Abgeordnete.

Mit dem eher rechtsliberalen Markwort rückt eine Persönlichkeit in die Legislative ein, vor der sich die Exekutive – möglicherweise – mehr fürchten muss als vor einem durchschnittlichen Oppositionsabgeordneten. Denn Markwort will gemäß dem abgewandelten Motto „Fakten, Fakten, Fakten – und an die Wähler denken“ genauer hinschauen, was die voraussichtlich schwarz-orangene neue Staatsregierung so treibt. Seine Alterspräsidenterede soll jedenfalls „Fakten in den Landtag“ versprechen. Als scharfer Kritiker der Bürokratie hat er sich schon seit Längerem profiliert.