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Luftangriffe der Türkei auf IS und Kurden

Istanbul. Nach Luftangriffen gegen die Terrormiliz IS und Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK ist die Situation in der Türkei angespannt. Zwei Soldaten wurden bei einem Anschlag getötet. Die Behörden beschuldigen die PKK. Der Konflikt mit den Kurden droht zu eskalieren. dpa/afp

Die Luftangriffe der türkischen Armee gegen Lager der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak heizen den Kurdenkonflikt wieder an. Die brüchige Waffenruhe ist damit nach mehr als zwei Jahren praktisch beendet. Die PKK erklärte am Samstag, die vor zwei Jahren ausgerufene Waffenruhe sei nicht mehr von Bedeutung. Kampfjets der türkischen Luftwaffe waren am Freitag aufgestiegen, um zunächst erstmals grenznahe Stellungen der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anzugreifen. Anschließend bombardierten türkische Jets PKK-Lager im benachbarten Irak. Die Angriffe dauerten zunächst bis Samstag an. Gestern Abend dann startete die türkische Luftwaffe Medienberichten zufolge zu neuen Angriffen auf Stellungen der PKK .

Am Wochenende kam es erneut zu Anschlägen auf Sicherheitskräfte und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei . Bei einem Auto-Bombenanschlag am gestrigen Sonntag wurden in der Provinz Diyarbakir zwei türkische Soldaten getötet und vier weitere verletzt. Zwar bekannte sich zunächst niemand zu der Tat, doch die Armee machte die PKK verantwortlich.

Mit den ersten Angriffen auf IS-Stellungen in Syrien hatte die Türkei eine radikale Wende vollzogen und ihre jahrelange Zurückhaltung gegenüber dem IS aufgegeben. Der IS kontrolliert Teile Nordsyriens an der Grenze zur Türkei. Das größte Gebiet wird jedoch inzwischen von kurdischen Milizen (YPG) kontrolliert, die der PKK nahe stehen.

"Die Operationen gehen so lange weiter, so lange die Türkei bedroht wird", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nach den Luftschlägen. Zeitgleich mit den Angriffen gingen türkische Sicherheitskräfte bei Razzien in Istanbul und anderen Städten gegen mutmaßliche Anhänger des IS sowie der PKK und andere linke Gruppierungen vor. Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) appellierte an die türkische Regierung, im Kampf gegen den Terrorismus nicht den Friedensprozess mit den Kurden aufzugeben. > Seite 2: Berichte, Meinung