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Nach Besucheransturm dieses Wochenende wetterbedingt kein Liftbetrieb möglich
Ist Skisport in der Region bald Schnee von gestern?

 Wintersport auf dem Erbeskopf, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz (Archivbild), ist auch dank Kunstschnee möglich – damit der erzeugt werden kann, muss es mit der bisherigen Anlage aber mindestens minus vier Grad sein.
Wintersport auf dem Erbeskopf, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz (Archivbild), ist auch dank Kunstschnee möglich – damit der erzeugt werden kann, muss es mit der bisherigen Anlage aber mindestens minus vier Grad sein. FOTO: picture alliance / Andreas Arnol / Andreas Arnold
Hilscheid. Die Aussichten für Skifahrer am Erbeskopf werden schlechter. Das liegt am Klimawandel. Doch der Liftbetreiber sprüht vor Ideen. Von Ilse Rosenschild

Auch wenn die kalte Jahreszeit Rheinland-Pfalz etliche Tage im Griff hatte und in den gut zwei Wochen seit dem Saisonstart rund 33 000 Skifahrer auf den Erbeskopf kamen: Der Klimawandel ist zu spüren. Die Winter im Land sind nach Auskunft des Wetterexperten Dominik Jung in den vergangenen 20 Jahren um ein bis 1,5 Grad Celsius wärmer geworden. Das dürfte Folgen auch für den Wintersport haben.

Mit extremen Wetterlagen und vielen Niederschlägen sei zu rechnen, sagt Jung weiter. Das könne Schnee sein, aber immer häufiger Regen. Der Meteorologe hält die Aussichten für schlecht, in der Region „künftig im großen Stil Wintersport betreiben zu können“.

Die Prognosen von Professor Günther Heinemann, Leiter des Fachbereichs für Umweltmeteorologie an der Universität Trier, gehen in eine ähnliche Richtung: „Die Schneemenge wird geringer.“



Mancherorts hat man sich darauf eingestellt. Am Idarkopf bei Birkenfeld entsteht in einem ehemaligen Wintersport-Gebiet der größte Bikepark Deutschlands. Und am Erbeskopf, dem mit 816 Metern höchsten Berg von Rheinland-Pfalz im Hunsrück? Betriebsleiter Klaus Hepp rechnet in Zukunft mit durchschnittlich 30 Lifttagen im Jahr. Kostenmäßig komme man dann Null auf Null auf. Der Lift-Chef geht davon aus, dass in Zukunft aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen der Anteil an technischem Schnee, erzeugt durch Schneekanonen, steigt. Eventuell müsse man über Schnee-Erzeuger-Anlagen nachdenken, die auch bei höheren Temperaturen arbeiten. Mit der derzeitigen Ausstattung sei dies erst ab minus vier Grad sinnvoll.

Am Erbeskopf setzt man bereits auf Ganzjahresbetrieb: Im Sommer fährt ein Lift für eine Rodelbahn, die Mountainbiker nutzen einen weiteren. Der Traum des Betriebsleiters: Der Wintersportbetrieb, das Nationalparktor, der Kletterpark, der Saar-Hunsrück-Steig – all das auf der höchsten Erhebung von Rheinland-Pfalz sei ein Aushängeschild für das Land. Um es noch attraktiver zu machen, schlägt Hepp vor, einen Vierer-Sessellift mit einigen Kabinen für Rollstuhlfahrer anzuschaffen. Wegen der Barrierefreiheit wäre das ein Alleinstellungsmerkmal. Der Lift könnte vom Hunsrückhaus schräg über das Skigebiet bis zu einem Panoramarestaurant laufen – winters wie sommers. Als Beispiel nennt Hepp Willingen im Sauerland, wo sich in der schneefreien Zeit „samstagvormittags schon 1500 Gäste tummeln“. Die Investition schätzt Hepp auf fünf Millionen Euro: „Ein schöner Batzen, aber mit vereinten Kräften aller angrenzenden Landkreise, dem Land Rheinland-Pfalz, dem Nationalpark und dem Leaderprogramm wäre das möglich.“ Mit dieser Auffassung steht der Wintersport-Fachmann derzeit jedoch allein da.

Auf dem Erbeskopf wird es bei den bislang 14 Liftagen diese Saison erst einmal bleiben: Wegen der steigenden Temperaturen gibt es diesen Samstag und Sonntag keinen Liftbetrieb. Angesichts der Schneegrundlage an den Hängen hofft Hepp aber, „dass wir bei den nächsten Frostnächten wieder durchstarten können“.