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Flughafen Istanbul
Probleme am Prestige-Projekt

  Der Mega-Flughafen in Istanbul, Stolz der Regierung Erdogan. Doch die Pannen häufen sich.
Der Mega-Flughafen in Istanbul, Stolz der Regierung Erdogan. Doch die Pannen häufen sich. FOTO: picture alliance / AA / dpa Picture-Alliance / IGA/HANDOUT
Istanbul. Kritiker sehen den neuen Istanbuler Flughafen auf dem Weg zum Pannen-Airport. Von Susanne Güsten

Wenn Ende August der Sommer ausklingt, erleben die Bewohner von Istanbul ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Am Himmel über der Bosporus-Metropole sammeln sich tausende Störche auf dem Weg nach Süden. In diesem Jahr erwarten einige Istanbuler die Ankunft der Störche allerdings mit einem unguten Gefühl im Magen. Schon jetzt kollidieren kleinere Vogelschwärme mit startenden und landenden Flugzeugen am neuen Flughafen im Norden der Stadt, der in einem Zugvogelgebiet gebaut worden ist. Vier Monate nach Aufnahme des vollen Flugbetriebs häufen sich am Prestige-Airport der Türkei gefährliche Zwischenfälle. Kritiker des Milliardenprojekts sehen sich bestätigt.

Dabei war der Stolz der türkischen Regierung auf die pannenfreie Eröffnung des Mega-Flughafens groß. Und selbst in Deutschland bemerkten Beobachter von spöttisch bis neidisch, dass in Istanbul im Eiltempo gelinge, was am Berliner Pannen-Flughafen ewig dauere.

Nun also das Problem mit den Störchen. Rund eine Million Tiere passieren jeden Herbst den Bosporus auf dem Weg aus Europa in sonnige Gefilde. Experten und Umweltschützer hatten die Standortauswahl für den neuen Flughafen unter anderem wegen der Gefahr von Vogelschlag kritisiert. Kürzlich wurde eine Maschine der Turkish Airlines bei der Landung durch einen Vogelschwarm so schwer beschädigt, dass sie nicht weiterfliegen konnte. Und Vögel sind nicht das einzige Problem. Der türkische Verkehrsminister Cahit Turhan teilte jetzt mit, in den ersten zweieinhalb Monaten des normalen Flugbetriebs seit April hätten die Piloten in fast 180 Fällen die Landung ihrer Flugzeuge abbrechen und durchstarten müssen. Zu den Gründen zählten unter anderem die schwierigen Windverhältnisse. Auch darauf hatten Kritiker des Projektes vor Baubeginn vergeblich hingewiesen. Häufiger Nebel im Herbst gehört ebenfalls zu den Problemen, sagen Flughafen-Gegner.



Minister Turhan räumte auf Anfrage einer Oppositionsabgeordneten ein, besonders im Frühling und im Herbst seien lange Wartezeiten für die Passagiere, Durchstarte-Manöver und andere Unannehmlichkeiten zu erwarten. Minister Turhan bestätigte außerdem, dass es für die Pisten des neuen Flughafens kein Heizsystem gibt. Im Winter drohe deshalb eine „gefährliche Lage“, erklärte die Opposition.

Der Airport-Betreiber IGA dementierte Berichte, wonach sich im Asphalt des Vorfeldes plötzlich ein Loch aufgetan habe. Ganz von ungefähr tauchen solche Meldungen nicht auf. Beim Bau des Flughafens war ein Teil des Vorfeldes wegen Arbeiten an einem nahen U-Bahntunnel kollabiert. Damals war der Unfall von der Flughafenleitung zunächst als Falschmeldung abgetan worden.

Ohnehin ist der Ruf des neuen Flughafens, der im Endausbau mit einer Kapazität von 200 Millionen Passagieren im Jahr der größte der Welt werden soll, nicht der beste. Die Anfahrt ist wegen der großen Entfernung von der Stadt und des Fehlens einer Bahnverbindung beschwerlich. Die Hast beim Bau und Beschwerden von Reisenden über lange Fußwege, schmutzige Toiletten, bröckelnde Fußbodenplatten und andere Schlampereien schrecken viele Passagiere ab.

Medien zufolge wurden zwischen April und Juni am neuen Airport weniger Fluggäste gezählt als im Vergleichszeitraum 2018 am inzwischen stillgelegten Atatürk-Flughafen – trotz stark steigender Touristenzahlen. Gleichzeitig erfreut sich der Flughafen Sabiha Gökcen im asiatischen Teil Istanbuls steigender Beliebtheit. Das Projekt Mega-Flughafen sei gründlich danebengegangen, schrieb der Oppositionsabgeordnete Ilhami Özcan Aygun auf Twitter. „Die Skandale nehmen kein Ende.“