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Zuhör-Tour in Saarbrücken
Kramp-Karrenbauer hört der Saar-CDU zu — aber nicht nur

Saarbrücken. Um den Zustand ihrer Partei ist den Mitgliedern der CDU im Saarland offenbar nicht bange. Ein einzelnes Kärtchen fand sich gestern zu diesem Thema auf der blauen Pinnwand, die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer selbst und zwei ihrer Mitarbeiter mit dutzenden online oder vor Ort eingereichten Fragen bestückt hatten. „Das ist ein Kompliment für die CDU Saar“, sagte deren Noch-Vorsitzende. Bei ihren bisherigen Veranstaltungen sei es oft um die Partei selbst gegangen. Und nirgendwo sonst kamen so viele Mitglieder zu ihrer ,,Zuhör-Tour“. Etwa 300 füllten gestern das Saarondo am Saarbrücker Eurobahnhof. „Wow“ kommentierte Kramp-Karrenbauer-Nachfolger Tobias Hans diesen Anblick. Von Ulrich Brenner

Um den Zustand ihrer Partei ist den Mitgliedern der CDU im Saarland offenbar nicht bange. Ein einzelnes Kärtchen fand sich gestern zu diesem Thema auf der blauen Pinnwand, die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer selbst und zwei ihrer Mitarbeiter mit dutzenden online oder vor Ort eingereichten Fragen bestückt hatten. „Das ist ein Kompliment für die CDU Saar“, sagte deren Noch-Vorsitzende. Bei ihren bisherigen Veranstaltungen sei es oft um die Partei selbst gegangen. Und nirgendwo sonst kamen so viele Mitglieder zu ihrer ,,Zuhör-Tour“. Etwa 300 füllten gestern das Saarondo am Saarbrücker Eurobahnhof. „Wow“ kommentierte Kramp-Karrenbauer-Nachfolger Tobias Hans diesen Anblick.

Die „Zuhör-Tour“ führt die neue Generalsekretärin in alle Winkel der Republik. Sie war in Radebeul bei Dresden, in Horb-Ahldorf im Schwarzwald, sie fährt nach Greifswald und Lübeck – insgesamt über 40 Veranstaltungen, offen für alle CDU-Mitglieder. Man müsse erst mal „die richtigen Fragen“ stellen, sagte Kramp-Karrenbauer gestern, bevor man ein neues Grundsatzprogramm formuliere. 2021 soll es stehen. Das Prinzip auch in Saarbrücken: Die Mitglieder werden aufgerufen, ihre schriftlichen Anmerkungen selbst vorzutragen. Kramp-Karrenbauer, am Stehtisch, verspricht zuzuhören, aber sie hakt auch nach und bündelt. Ralf Deibel aus Saarbrücken etwa, der erst seit zwei Wochen CDU-Mitglied ist, beklagt, dass bei erneuerbaren Energien blockiert werde, Chancen verloren gingen. „Was genau wird blockiert“, fragt ihn „AKK“. Und dem Windkraftgegner, der den Klimawandel relativiert, widerspricht sie: „Wir wollen die Energiewende zum exportfähigen Modell machen.“

Die Arbeit in der digitalen Welt, Bürokratie, Fachkräftemangel sind Themen, die hier beschäftigen. Wie sehr das Flüchtlingsthema die CDU aber noch umtreibt, zeigt sich spät. „25 bis 30 Prozent der Asylbewerber“, empört sich ein Ortsvorsteher „verweigern sich der Integration.“ Er erntet viel Beifall. Andere bekennen sich zu Merkels Flüchtlingskurs. Kramp-Karrenbauer gibt am Ende die Linie vor: Fördern und Fordern, Bekenntnis zu humanitären Verpflichtungen, schnelle Asyl-Entscheidungen.



Einmal mahnt eine Frau: „Sie reden jetzt viel zu lange, sie wollten doch zuhören.“ Kramp-Karrenbauer zeigt sich einsichtig. Und schließlich plant sie 2020 ja auch eine Antwort-Tour.