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Kondom-Werbung im Fußball
„London“ sorgt noch immer für gemischte Gefühle

 Ein legendäres Bild aus dem Jahr 1988. Die Homburger Spieler im London-Trikot bilden im Spiel gegen den Hamburger SV eine Mauer.
Ein legendäres Bild aus dem Jahr 1988. Die Homburger Spieler im London-Trikot bilden im Spiel gegen den Hamburger SV eine Mauer. FOTO: dpa / Michael Probst
Homburg. Heute vor 30 Jahren gestattete das Landgericht Frankfurt die umstrittene Kondom-Werbung auf den Trikots des FC Homburg. dpa

Fußballfans und Liebhaber konnten Ende der 80er-Jahre auf den gleichen Schriftzug stoßen: „London“. Dieser Name stand auf vielen Kondompackung­en, die Spieler des damaligen Bundesligisten FC Homburg trugen ihn auf der Brust. Der Werbedeal des Clubs mit dem Kondomhersteller London Rubber Company führte zu einem kuriosen Streit.

Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes wurden damals zu Sittenwächtern. Sie drohten mit Punktabzug, belegten den Verein mit einer Geldstrafe von 100 000 Mark. Der FCH verdeckte die Werbung zeitweilig mit einem schwarzen Balken. Nach einem Jahr der Rechtsstreitigkeiten befand das Landgericht Frankfurt am 7. Februar 1989, also auf den Tag genau vor 30 Jahren, dass die Kondomwerbung auf den Trikots weder gegen Sitte noch Moral verstoße. Die Spieler des FC Homburg konnten wieder mit dem umstrittenen Logo auflaufen.

Heute erinnern sich die Homburger mit gemischten Gefühlen an die Trikots zurück. „Es gehört zu unserer Geschichte dazu“, sagt Geschäftsführer Rafael Kowollik. Aber viele Fußballfans, glaubt Kowollik, erinnern sich im Zusammenhang mit dem FCH vor allem an die Geschichte mit den Trikots. Der Regionalligist werde in der Wahrnehmung außerhalb des Saarlandes darauf „schon sehr beschränkt“.



Der damalige Spieler Roman Geschlecht glaubt, dass der Skandal heute in Zeiten der sozialen Netzwerke sehr viel größer wäre. Für die Spieler sei es seinerzeit „keine große Geschichte“ gewesen, sagt der 57-Jährige. Es habe noch nicht mal witzige Anmerkungen auf dem Platz gegeben. Öffentlich gestritten hatte sich damals vor allem Präsident Manfred Ommer mit DFB-Funktionären wie dem mächtigen Gerhard Mayer-Vorfelder, denen die Trikotwerbung ein Dorn im Auge war.

Jahre später erinnerte sich der ehemalige Weltklasse-Sprinter Ommer, wie paradox ihm die Diskussion erschien: „Schiri Walter Eschweiler bat mich sogar mal vor einem Spiel, die Trikots nicht anzuziehen, sonst dürfe er nicht anpfeifen“, wurde Ommer im Oktober 2016 in der „Bild“ zitiert: „Dabei waren wir unserer Zeit, als plötzlich alle über Aids sprachen, voraus. Von jeder Litfass-Säule grüßte Gesundheitsministerin Rita Süssmuth mit Werbung für Kondome – ein Wahnsinn, dass wir es nicht durften.“

Jede Zeit hat ihre Trikot-Skandale. 2017 warb der Kreisligist SV Oberwürzbach auf seinen Trikots für die Webseite einer Porno-Darstellerin. Der Saarländische Fußballverband verbot es. Die Statuten des DFB, der DFL und auch die von regionalen Verbänden untersagen weiterhin Werbung auf Trikots, die gegen „Ethik und Moral“ verstoße. Doch was Ethik und Moral ist, das sieht natürlich jeder anders.

Ebenfalls 2017 machte RW Frankfurt in der Hessenliga Werbung für einen Sauna-Club. Mario Basler wurde als Trainer zu dem Verein geholt und hatte gleich eine Meinung dazu: „Was soll das Gemecker? Der Verein braucht Geld. Sollen halt die anderen helfen und Geld geben, dann braucht Rot-Weiß keinen Saunaclub.“ Auch der Hessische Fußballverband (HFV) hatte nach einer Überprüfung nichts zu beanstanden.

Die London-Trikots der Homburger wurden laut Geschäftsführer Kowollik später „eingemottet“. Anfang der 2000er-Jahre fand man sie wieder, „teilweise faulig und verschimmelt“. Kowollik: „Es gibt kaum noch gut erhaltene Exemplare.“ Nur mag nicht jeder gerne daran erinnert werden. Bei der 110-Jahr-Feier im Sommer 2018 soll Hauptsponsor Dr. Theiss Naturwaren den Verkauf von Retro-Shirts mit dem London-Aufdruck verboten haben.