| 22:50 Uhr

Seehofer
Der Druck ist groß

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Man kennt das: Weitreichende Konsequenzen werden nach einem Wahl-Debakel immer gerne versprochen, und dann doch auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Die CSU hat ein zeitliches Problem, da ist etwas dran. Von Hagen Strauss

Sie hat laut bayerischer Verfassung nur wenige Wochen, um eine neue Regierung zu bilden. Wundern würde es einen aber schon, wenn danach Tabula rasa gemacht würde.

Dagegen spricht, dass die CSU-Granden in München munter dabei sind, ihr Wahl-Debakel zum Erfolg umzudichten. Auch Horst Seehofer hat gestern so getan, als ob er als Innenminister und CSU-Chef keine Mitschuld trägt und er in den vergangenen Monaten lediglich Opfer von Kampagnen geworden ist, initiiert vor allem von der SPD und den Medien. Er spielt offensichtlich auf Zeit.

Das darf man den Parteioberen diesmal aber nicht durchgehen lassen. Veränderung muss her, auch personell. Dass die ersten mächtigen Bezirksverbände darauf drängen, am Ende der Regierungsbildung einen Parteitag zu veranstalten, ist ein Zeichen dafür, dass die Basis nach der krachenden Niederlage nicht einfach zur Tagesordnung übergehen will. Und nach der Hessen-Wahl werden sich so oder so wieder die Blicke auf Seehofer richten, vor allem dann, wenn die CDU ihre Macht in Wiesbaden nicht verteidigen kann. Schon jetzt schießen sich die ersten Unions-Ministerpräsidenten auf die liebe Schwesterpartei und den Minister ein. Der Druck von außen zur Erneuerung ist also groß. Von innen auch. Und das ist auch gut so.