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Kommentar
Der angeschlagene Putin braucht dringend Erfolg

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der kriegerische Konflikt in der Ostukraine ist seit Jahren festgefahren. Aber niemand ist an diesem zermürbenden Hin und Her der Landsknechte noch ernsthaft interessiert. Aufhorchen lässt jetzt aber das Vorgehen Russlands gegen ukrainische Schiffe in der Straße von Kertsch. Von Klaus-Helge Donath

Erstmals setzten russische Grenztruppen, die dem Geheimdienst unterstehen, bei der Kontrolle ukrainischer Boote Schusswaffen ein.

Will der Kreml mit einer neuen Frontlinie Bewegung in den Stillstand bringen? Die Hafenstädte Mariupol und Berdjansk unterhalb der Separatistengebiete fehlen Moskau noch, um von Nord bis Süd einen durchgängigen Streifen in der Ostukraine zu beherrschen. Dieser ließe sich auch bequem an Russland anschließen. Langfristig will sich der Kreml auch das Asowsche Binnenmeer unter den Nagel reißen. Noch immer ist das russische Entwicklungsprinzip nicht Modernisierung, sondern einfacher Landraub. Dieses Paradigma kann und will Wladimir Putin nicht abschütteln. Er gefällt sich in der Rolle des Sammlers fremder Erde – wie die Vorfahren.

Diesmal könnte es indes noch profaner sein: Der Präsident ist innenpolitisch stark angeschlagen. Er braucht Erfolg und muss von wirtschaftlichen und sozialen Problemen ablenken. Ein kleiner schneller Siegeszug war dafür stets ein probates Mittel. Ob das auch dieses Mal wieder funktioniert?