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Neues Buch über Annegret Kramp-Karrenbauer
Können, wollen und werden — „AKK“ und der Weg nach oben

Berlin. Ein neues Buch zeichnet den Aufstieg der Saarländerin an die Spitze der CDU nach.

Der 26. Februar macht aus Annegret Kramp-Karrenbauer, bis dato Ministerpräsidentin des Saarlandes, die neue Generalsekretärin der CDU. Mit fast 99 Prozent wählt ein Parteitag die Saarländerin, die damit in den Fokus der Berliner Politik rückt. „Ich kann, ich will und ich werde“, sagt die 56-Jährige damals in ihrer Rede – was aber kann, will und wird „AKK“? Am Ende gar Kanzlerin? Dem sind Kristina Dunz und Eva Quadbeck, Journalistinnen der Rheinischen Post, nachgegangen. In ihrem Buch „Ich kann, ich will und ich werde – Annegret Kramp-Karrenbauer, die CDU und die Macht“ (Ullstein/Propyläen), das am 12. Oktober erscheint, spricht „AKK“ über sich und ihren Weg. Hier zwei Auszüge, exklusiv vorab:

Der Sprung nach Berlin – „Es ist etwas passiert“:



Helmut Karrenbauer starrt auf sein Handy. Vier verpasste Anrufe. Zwei von seiner Frau und zwei vom Chef der Sicherheit. Es ist 6.15 Uhr. Was würde er jetzt dafür geben, wenn er nicht recht behalten würde. Er war dagegen, dass sie noch in der Nacht zurück nach Berlin fährt. 700 Kilometer. Nach einem so langen Tag. Und vor allem vor einer solch entscheidenden Verhandlungsrunde, in der irgendwann die Uhr angehalten wird, um den Durchbruch doch zu schaffen, bevor die Frist abläuft. Nachtsitzung programmiert. Das ist doch alles Wahnsinn, gedankt wird es einem sowieso nicht, ist er überzeugt. Der Mann mit den blonden Haaren und der starken Statur, dem die Biker-Kluft besser gefällt als der Smoking, kann dieser Art des Politikbetriebs nicht viel abgewinnen. Dieser Raubbau an der Gesundheit, in diesen verrückten Zeiten. Noch nie hat Deutschland so lange um eine neue Regierung gerungen wie jetzt, und seine Frau mittendrin. Im Hauptberuf Ministerpräsidentin im Saarland, im nervenzerfetzenden Nebenjob seit Monaten Unterhändlerin für eine Koalition im Bund. An Freizeit, Familienleben – und wenn es nur ein gemeinsamer Spaziergang mit ihrem Tibet-Terrier Stifler wäre – ist kaum noch zu denken. Aber dass seine Frau auch noch im Auto die Nacht verbringen soll, hat für ihn wirklich nichts mehr mit Vernunft zu tun. Es gibt „Palaver“, wie der Saarländer sagt. Nützt aber nichts. Sie fährt los. Seine Anne hat schon immer gemacht, was sie wollte. Jetzt, an diesem frühen Morgen, wählt er ihre Handy-Nummer – ohne Erfolg. Ihm ist klar: „Es ist etwas passiert.“

Die Kanzlerin zählt auf diese Frau. Auf Annegret Kramp-Karrenbauer, die Christdemokratin mit der langen Partei- und Regierungserfahrung, die mit ihrem überraschend hohen Wahlsieg im Saarland im Frühjahr 2017 der wachsenden Begeisterung im Land für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz einen empfindlichen Dämpfer versetzt hatte. (...) Sie war mal wieder unterschätzt worden. Vielleicht zum letzten Mal. Bei Merkel hörte das auch irgendwann auf.

Die Krise – „C wie Chaostage“:

In der Telefonschalte des Präsidiums am Morgen dieses 14. Juni um 8 Uhr warnt Kramp-Karrenbauer davor, der Kanzlerin – wie die CSU es gemacht hat – Bedingungen zu stellen und Fristen zu setzen für eine Einigung mit den EU-Partnern, die schon seit Jahren keine Solidarität in der Flüchtlingsfrage kennen. Sie beschwört die Einheit von CDU und CSU, aber auch den Stolz, die Würde und das Selbstbewusstsein der Christdemokraten. Die Saarländerin ist bekannt für ihre Konfliktfähigkeit, die sie über Jahre in der Runde der 16 Ministerpräsidenten mit ihren so unterschiedlichen Interessen bewies. Von der Parteibasis bis zur mittleren Führungsebene loben CDU-Leute, dass endlich wieder ein Profi im Konrad-Adenauer-Haus sitze. Viele Jahre habe es so gut wie keine Kommunikation mit den Landesverbänden gegeben, heißt es. Merkel habe sich als Parteivorsitzende und Kanzlerin dafür schon lange keine Zeit mehr genommen, aber ihren bisherigen Generalsekretären auch keine Prokura gegeben. Bei Kramp-Karrenbauer ist das anders. Sie ist eher die geschäftsführende Parteivorsitzende, wie es einst Heiner Geißler war, ihr Vorbild in dem Amt. (…)