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Klimagipfel wird weltweit als Erfolg gewertet

Cancún. Gegen den erbitterten Widerstand Boliviens hat der UN-Klimagipfel in Cancún in letzter Minute ein überraschend umfangreiches Klimaschutzpaket verabschiedet. Es kann die Basis für den dringend notwendigen Weltklimavertrag sein

Cancún. Gegen den erbitterten Widerstand Boliviens hat der UN-Klimagipfel in Cancún in letzter Minute ein überraschend umfangreiches Klimaschutzpaket verabschiedet. Es kann die Basis für den dringend notwendigen Weltklimavertrag sein. Das von den mehr als 190 Teilnehmern am Samstag nach einer teilweise dramatischen Schlussphase verabschiedete Abkommen sieht unter anderem einen Fonds vor, um armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Erstmals wird auch das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, verbindlich bestätigt.Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama (Fotos: dpa) zeigten sich zufrieden. Obama gratulierte seinem mexikanischen Kollegen Felipe Calderón. Die EU-Kommission bezeichnete die Einigung als Erfolg. Boliviens Präsident Evo Morales bedauerte dagegen, dass die Einwände seiner Delegation nicht berücksichtigt wurden.

Mexiko habe bei der Konferenz exzellente Arbeit geleistet, sagte Obama am Samstag. Das Gipfelergebnis habe den Kampf gegen den Klimawandel vorangebracht. "Wir haben heute in Cancún einen guten Schritt nach vorne gemacht", sagte Merkel in Berlin.

Großes Lob erntete die mexikanische Konferenzpräsidentin Patricia Espinosa. Entgegen der UN-Regel hatte sie die Bedenken Boliviens zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht berücksichtigt und die Konferenz so ohne die eigentlich notwendige Einstimmigkeit zum Abschluss gebracht.



Das erste verabschiedete Papier des Abkommens umfasst die Fortführung des Kyoto-Protokolls, das zweite auch die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Der Wald soll besser geschützt werden. Zudem soll ein Klimafonds geschaffen werden, um arme Länder bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Von 2020 an sollen jährlich rund 100 Milliarden Dollar, also 75 Milliarden Euro, an Klimahilfsgeldern zusammenkommen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in Brüssel: "Die Vereinbarung von Cancún (...) ist ein wichtiger Schritt hin zu einem umfassenden und rechtlich bindenden Rahmen für ein weltweites Klima-Handeln."

Klimaschützer äußerten sich verhalten positiv. "Das Ergebnis ist besser, als viele hier zeitweise befürchtet haben. Trotzdem - es ist erst der Anfang", sagte der Leiter Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser. > Seite 2: Berichte, Seite 4: Meinungdpa