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Höhepunkt der Austrittswelle von 2014 abgeebbt
Kirchen nehmen 11,6 Milliarden Steuern ein

Berlin/Mainz. Seit Jahren melden die Kirchen in Deutschland hohe Austrittszahlen. Und doch sprudeln die Kirchensteuern.

() Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viele Kirchensteuern erhalten wie noch nie. Trotz weiter sinkender Mitgliederzahlen erreichten die Steuereinnahmen 2016 mit knapp 11,6 Milliarden Euro ein neues Allzeithoch. Davon erhielt die katholische Kirche 6,146 Milliarden und die evangelische 5,454 Milliarden. Im Vergleich zu den 11,5 Milliarden Euro 2015 bedeutet das einen Anstieg um rund 1,2 Prozent.

Die neuen Rekorde sind vor allem auf die gut laufende Konjunktur zurückzuführen. Die Kirchensteuer ist an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt. Acht, beziehungsweise neun Prozent dieses Steueraufkommens müssen katholische und evangelische Christen an ihre Kirche zahlen. Von der derzeit hohen Beschäftigungsquote und den relativ guten Einkommen profitieren nicht nur die Renten- und Krankenkassen, sondern auch die Kirchen; die weiterhin hohe Zahl von Austritten macht sich dagegen nur begrenzt bemerkbar.

Wie die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mitteilte, verließen im Vorjahr rund 190 000 Protestanten die Kirche, das waren gut zehn Prozent weniger als 2015. In der katholischen Kirche sanken die Austritte bundesweit um etwa elf Prozent auf 162 000. Auch die rheinland-pfälzischen Bistümer Trier und Speyer verzeichneten erneut tausende Austritte. Im Bistum Trier wandten 7394 Menschen der Kirche den Rücken zu, das waren aber 17 Prozent weniger als 2015. Die Zahl aller Katholiken im Bistum sank um 1,2 Prozent auf 1,382 Millionen. Das Bistum Speyer zählte 3939 Austritte. Insgesamt ging die Zahl der Katholiken um 1,5 Prozent auf 537 000 zurück.



Die evangelische Kirche der Pfalz zählte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 4198 Austritte, rund zwölf Prozent weniger als 2015. Sie hat nach den Zahlen für 2016 insgesamt 526 000 Mitglieder, das ist binnen Jahresfrist ein Rückgang um 1,5 Prozent.

Insgesamt zählt die evangelische Kirche in Deutschland noch rund 21,92 Millionen Mitglieder, die katholische Kirche etwa 23,58 Millionen. Demnach gehören noch gut 55 Prozent der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht als Ursache des Mitgliederschwundes tiefer wurzelnde Probleme als Ärger über die Kirchensteuer oder Affären. „Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern ihre Kinder heute viel weniger religiös erziehen und taufen lassen“, sagte der Professor an der Universität Münster. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ sprach von einem schleichenden Auszug aus der Kirche und verlangte die Schließung und Zusammenlegung von Pfarreien zu stoppen.