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Karstadt und Kaufhof
Die große Konfusion nach der Fusion

Wie geht es 
nach dem 
Zusammenschluss von 
Karstadt und Kaufhof am Standort 
Saarbrücken weiter? Bislang haben sich 
die beiden 
Unternehmen nicht zu 
konkreten 
Plänen 
geäußert.
Wie geht es nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof am Standort Saarbrücken weiter? Bislang haben sich die beiden Unternehmen nicht zu konkreten Plänen geäußert. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken/Köln. Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Doch was bedeutet das für die Mitarbeiter? Auch im Saarland geht die Angst um. Von Jana Bohlmann, SZ, und Erich Reimann, dpa

Auf den ersten Blick scheint alles so wie immer. Die Schuhe stehen geordnet im Regal. Die Kunden tummeln sich zwischen den Angeboten. Doch die Ruhe trügt. Im Kaufhof in der Saarbrücker Bahnhofstraße herrscht seit Bekanntgabe der Fusionspläne Angst. Angst vor einer ungewissen Zukunft. „Man hört unheimlich viel, aber wir haben noch überhaupt keine Informationen von der Geschäftsleitung bekommen“, sagt eine Verkäuferin, die lieber anonym bleiben möchte. Sie könne jetzt nur abwarten und schauen, was passiert. Sie befürchtet, ihren Job zu verlieren oder weniger Geld zu verdienen. „Meine Existenz steht auf dem Spiel. Ich weiß nicht, ob ich mir mein Leben weiterhin so leisten kann, wie ich es jetzt tue.“

Eine Sorge, die mehr als berechtigt ist. Denn seit gestern ist es offiziell: Karstadt und Kaufhof fusionieren. Deutschlands letzte große Warenhauskonzerne wollen sich damit im starken Wettbewerb besser behaupten. Was das für die Mitarbeiter und Standorte der beiden Häuser bedeutet, ist noch unklar. Medienberichten zufolge könnten bei Kaufhof rund 5000 von knapp 20 000 Arbeitsplätzen wegfallen.

Fest steht: Der neue Einzelhandels-Riese wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32 000 Mitarbeiter beschäftigen. Das teilten der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson‘s Bay Company (HBC) gestern offiziell mit – auch die Mitarbeiter erhielten ein entsprechendes Schreiben. Die zuständigen Kartellämter müssen allerdings noch zustimmen.



In Saarbrücken sind bei Karstadt nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehr als 160 Mitarbeiter beschäftigt, bei Kaufhof knapp 150. Außerdem hat Kaufhof noch eine Filiale in Neunkirchen. Dort sind rund 70 Mitarbeiter angestellt.

Verdi ist über das Vorgehen der beiden Konzernspitzen erzürnt. Die Mitarbeiter würden über Zukunftspläne im Dunkeln gelassen. „Wir sind nackt an Informationen“, sagt Alex Sauer, Gewerkschaftssekretär im Verdi-Bezirk Region Saar Trier. Die Mitarbeiter seien lediglich per Brief über die Fusion informiert worden. Andeutungen zu konkreten Plänen habe es keine gegeben. Weiter kritisiert Sauer, dass weder die Betriebsräte noch Verdi in den Prozess der Fusion einbezogen wurden. „Für uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter einbezogen werden, dass keine Jobs wegfallen und dass auch die tariflichen Entlohnungen weiter gesichert sind.“ Verdi-Sprecher Dennis Dacke betont, dass gerade die Standorte in Mainz, Trier und Saarbrücken solide aufgestellt und gut besucht seien. Er warnte vor negativen Folgen für die Kommunen. Auch Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte gestern den Erhalt aller Arbeitsplätze und Standorte.

Die beiden Warenhauskonzerne ließen gestern offen, ob Filialschließungen geplant sind und wo die gemeinsame Hauptverwaltung künftig ihren Sitz haben soll. Sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof sollen als Marken vorerst bestehen bleiben. Leiter des zusammengeschlossenen Unternehmens wird der bisherige Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

Michael Genth, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe Saarbrücken, schließt eine mögliche Aufgabe eines der beiden Häuser in Saarbrücken aus: „Ich glaube, dass beide Häuser hier ihre Daseinsberechtigung haben und halten werden. Beide Häuser waren in den vergangenen Jahren nach meiner Einschätzung erfolgreiche Häuser und sollten damit einer guten Zukunft entgegenblicken.“

Und genau das soll die Fusion bewirken: Zukunftsfähigkeit in Zeiten von Online-Konkurrenz und Billiganbietern. Unternehmen wie Primark oder Amazon setzen die traditionellen Warenhäuser seit Jahren unter Druck. Ob die Wende gelingt, entscheiden am Ende die Kunden.

Und die sind in Saarbrücken alles andere als begeistert: „Ich halte nicht viel von dieser Fusion, vor allem dann nicht, wenn eines der beiden Häuser schließen muss. Das wäre schlimm für die Stadt, weil es immer weniger Geschäfte gibt,“ sagt Kaufhof-Kundin Elke Schmitt. Björn Koch aus St. Ingbert befürchtet ebenfalls Schlimmes, falls es zu Schließungen kommen sollte. „Es wäre eine Katastrophe.“

Kaufhaus Kaufhof in der Saarbrücker Bahnhofstraße innenstadt City Übernahme Warenhaus Karstadt Warenhausketten
Kaufhaus Kaufhof in der Saarbrücker Bahnhofstraße innenstadt City Übernahme Warenhaus Karstadt Warenhausketten FOTO: Robby Lorenz